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Warschau unter deutscher Herrschaft.
Deutsche Aufbauarbeit im Distrikt Warschau.


Wirtschaftlicher Aufbau
im Distrikt Warschau (Teil 2)

3. Die Bedeutung der Weichsel für das Warschauer Becken

Frühling an der Weichsel. Poniatowski-Brücke
[167] Frühling an der Weichsel (Poniatowski-Brücke).
Die wirtschaftliche Bedeutung des Distrikts Warschau ist zu einem großen Teil auf seine günstige Lage am Mittellauf der Weichsel zurückzuführen.

In der Propaganda der früheren Republik Polen spielte der Ausbau der Weichsel immer eine große Rolle, da die Weichsel stets [163] als "Lebensstrom Polens" bezeichnet worden ist. Man hätte deshalb annehmen müssen, daß die Polen während des zwanzigjährigen Bestehens ihrer Republik unentwegt für den Ausbau dieses ihres
Weichsellandschaft bei Bielany
[173] Weichsellandschaft bei Bielany.
Lebensstromes gesorgt hätten. Tatsächlich ist dies aber nicht der Fall gewesen; denn im Gebiet des heutigen Generalgouvernements ist hinsichtlich der Weichselregulierung kaum etwas geschehen.

Noch heute bietet die Weichsel auf den wichtigsten Strecken des Generalgouvernements einen geradezu trostlosen Anblick. Zahlose Inseln und Sandbänke liegen regellos und wild im Flußbett und behindern jede Schiffahrt außerordentlich. Fahrtiefen bis zu nur 60 cm sind in den
Segelkähne auf der Weichsel bei Warschau
[172] Segelkähne auf der Weichsel bei Warschau.
Sommermonaten die Regel, Fahrtiefen darüber hinaus gehören zu den Seltenheiten.

Dabei könnte die Weichsel ihrer Größe nach unter den mitteleuropäischen Wasserstraßen an dritter Stelle stehen, da nur die Donau und der Rhein sie an Länge übertreffen. Als Schiffahrtsstraße hat die Weichsel aber bisher eine völlig untergeordnete Rolle gespielt; denn im Jahre 1938 wurden auf dem Gebiet des jetzigen Generalgouvernements nur 59 243 t verfrachtet. Auf der gesamten Weichsel, also auch auf den früheren polnischen und den deutschen Gebieten zusammen, betrug der Güterverkehr im Jahre 1938 nur etwa 0,6 Millionen t Güter. Wenn man diese Zahlen mit den deutschen Wasserstraßen vergleicht, erscheinen sie zwergenhaft gering. Beispielsweise sind aus dem deutschen Odergebiet im Jahre 1936 etwa 7,5 Millionen t auf Binnenschiffen verfrachtet worden. Obwohl die Oder nicht die wichtigste deutsche Schiffahrtsstraße ist, hat sie die gesamte Weichselschiffahrt vor dem Kriege um mehr als das zwölffache übertroffen.

Dieser geringe Umfang der Weichselschiffahrt steht in völligem Widerspruch zu den großsprecherischen Erklärungen der polnischen Nationalisten. Für diese völlige Vernachlässigung der Weichsel gibt es verschiedene Gründe:

Die eine Ursache ist die polnische Unfähigkeit, wirklich große Pläne auch energisch durchzuführen. Gewiß haben polnische Ingenieure für die Ausgestaltung der Weichsel gigantische Pläne entworfen, wie es vielleicht kein Gebiet gegeben hat, auf dem in der früheren Republik Polen durch Aufstellung von teilweise phantastischen Vorschlägen so viel geplant worden ist wie für die Ausgestaltung der Weichsel. Aber nirgends ist praktisch so wenig getan worden wie auf diesem Gebiet.

Partie an der Weichsel mit Eisebahnbrücke
[168] Partie an der Weichsel mit Eisebahnbrücke.
[164] Dazu kam weiter, daß die polnische Regierung ihr Augenmerk in der Hauptsache auf die Aufrüstung gerichtet hatte. Der Ausbau der Weichsel trat demgegenüber zurück, so daß tatsächlich während der ganzen Dauer der Republik Polen, also in 20 Jahren, nur 78,8 Millionen Zloty für den Weichselausbau ausgegeben worden sind. Wenn man bedenkt, daß Preussen vor dem Kriege allein zur Regulierung des nur 220 km langen ehemals westpreußischen Weichsellaufs jährlich rund 2,5 Millionen Reichsmark für Baggerarbeiten und Uferbauten ausgegeben hat, so kann man daraus am besten ersehen, wie wenig wirkliches Interesse der polnische Staat dem Ausbau seines "Lebensstromes" gewidmet hat.

Endlich ist aber in der Nord-Süd-Ausrichtung des früheren polnischen Staates der Hauptgrund dafür zu sehen, daß den Notwendigkeiten der Weichsel so wenig Raum gegeben worden ist. Die große Kohlenmagistrale Kattowitz-Gotenhafen (Gdingen), die der Nord-Süd-Ausrichtung des polnischen Staates entsprach, erschien den polnischen Machthabern als die wichtigste Verkehrsstraße. Wie sehr diese Kohlenmagistrale früher auf Anordnung der polnischen Regierung bis zum Widersinn benutzt worden ist, zeigt das kaum glaubliche Beispiel, daß Kohlen, die von Polnisch-Oberschlesien nach Wien verfrachtet werden sollten, zunächst auf der Kohlenmagistrale Kattowitz-Gotenhafen an die Ostsee transportiert und von dort auf dem Seeweg nach Triest an der Adria verfrachtet wurden, von wo dann schliesslich der Weitertransport mit der Eisenbahn nach Wien erfolgte.

Mit einem derartigen Widersinn wird jetzt Schluß gemacht. Gewiß wird die Kohlenmagistrale ihre Bedeutung behalten; denn sie wird auch weiterhin der Entlastung der Oder dienen und darüber hinaus für den sehr entwicklungsfähigen Verkehr nach dem östlichen Teil der Ostsee hinzugezogen werden, wobei die Magistrale insoweit sogar den Vorzug vor der Weichsel hat, da die Weichsel infolge ihres großen Ostbogens sehr viel länger ist.

Dieser Nachteil der Weichsel für einen Nord-Süd-Verkehr ist gleichzeitig aber ein Hinweis für die eigentliche Aufgabe der Weichsel: Erschliessung des Ostraumes.

Dafür wird die gesamte Weichsel reguliert werden müssen.

Im vergangenen Jahrhundert hat die Weichsel nur in ihrem Unterlauf deutsches Reichsgebiet durchflossen, während der übrige Teil österreichisch bzw. russisch oder polnisch war. Infolge dieser politischen Zerteilung des Stromes ist im vergangenen Jahrhundert [165-168=Fotos] [169] ein einheitlicher Ausbau des Flußlaufes nicht durchgeführt worden. Erst durch das Friedensdiktat von Versailles wurde der Strom bis zu seinem Einfluß in das Gebiet der ehemaligen Freien Stadt Danzig polnisch, ohne daß die Polen aus dieser politisch günstigen Konstellation die nötigen Folgerungen gezogen haben.

Jetzt ist endlich die Weichsel, dieser alte Schicksalsstrom im Osten des Reiches, von der Quelle bis zur Mündung in deutscher Hand, so daß nunmehr alle politischen Schranken gefallen sind. Die stiefmütterliche Behandlung der Weichsel kann nun endlich aufhören.

Die Arbeiten, die bei der Weichselregulierung zu bewältigen sind, werden Jahre in Anspruch nehmen, da der Strom und seine Nebenflüsse für die Erfordernisse der Landeskultur und der Schiffahrt von Grund auf neu umgestaltet werden müssen.

Abendstimmung an der Weichsel mit Blick auf Warschau
[171] Abendstimmung an der Weichsel
mit Blick auf Warschau.
Der Südteil der Weichsel von Oberschlesien über Krakau bis Warschau darf dabei nicht vernachlässigt werden. Schon zur Entlastung der Verkehrswege in Oberschlesien, das auf der Oder nur rund 6 Millionen t jährlich transportieren kann, ist der Weichselschiffahrtsweg auch in der Nord-Süd-Richtung besonders vordringlich. Für Warschau ist dieser Ausbau noch von verstärkter Bedeutung, weil es auf der Weichsel seine Kohlen aus Oberschlesien beziehen muß. Es kommt hinzu, daß aus dem immer stärker in den Vordergrund tretenden Gesichtspunkt der Vermeidung der Verbrennung der Kohle im Interesse ihrer Veredelung der Ausbau der Wasserkräfte im Hochgebirge der Beskiden, der Tatra und der Karpaten eine der allerwichtigsten Aufgaben der Zukunft darstellt. Der Ausbau der Weichsel im Generalgouvernement wird darüber hinaus die Grund- und Hochwasserschäden verhindern, die jährlich etwa 20 Millionen Zloty betragen und damit die Verzinsung eines Kapitals von 400 Millionen Zloty darstellen. Die Gewinnung von Wasserkräften in den Beskiden würde ein weiterer Faktor sein, der die Rentabilität der Ausbaukosten sicherstellt.

Der nördliche Teil der Weichsel auf der Strecke von Warschau über Modlin nach Bromberg und an die Ostsee wird aber weit größere Bedeutung bekommen. Aus der Eroberung des früheren sowjetrussischen Raumes ergibt sich die Notwendigkeit, die Ostsee mit dem Schwarzen Meer zu verbinden. Dies ist über die Weichsel, den Bug und die Kanalverbindung zum Dnjepr und Dnjestr möglich, weshalb der nördliche Teil der Weichsel und der Bug ausgebaut werden müssen. Die unerschöpflichen Vorräte des [170] Ostraumes an Rohstoffen und landwirtschaftlichen Erzeugnissen werden zu einem großen Teil auf diesem Weg dem Reich und der gesamten europäischen Wirtschaft zugeführt werden können.

Die Weichsel in Warschau mit Blick auf Praga
[165] Die Weichsel in Warschau mit Blick auf Praga.
Für die Entwicklung der Stadt Warschau ist dabei die Tatsache, daß sie unmittelbar an der Weichsel nur wenige Kilometer von der Einmündung des Bug in die Weichsel entfernt liegt, von entscheidender Bedeutung. Warschau liegt an sich fast in der Mitte des gesamten Weichsellaufes und nimmt somit eine zentrale Lage zur Weichsel ein, was für die Zukunft der Stadt und ihres angrenzenden Interessengebietes wichtig ist.

Blick auf Warschau
[166] Blick auf Warschau.
Ob im alten Stadtgebiet Warschaus selbst der große Binnenschiffahrtshafen des Ostens entsteht oder ob stromabwärts in unmittelbarer Nähe neue Hafenanlagen geschaffen werden, ist dabei unerheblich. Das Warschauer Becken jedenfalls zwischen der jetzigen Stadt Warschau und der Einmündung des Bug in die Weichsel wird aus naturgegebenen Gründen der Platz für diesen gewaltigen Binnenschiffahrtshafen der Zukunft sein, da das Warschauer Becken die Schlüsselstellung nach dem Osten einnimmt.

Die Pläne für einen derartigen leistungsfähigen Hafen, der in einen Handelshafen für reine Umschlagszwecke und in einen Industriehafen getrennt sein wird, sind bereits in Vorbereitung. Im Rahmen des gesamten Ausbaues der Weichsel und des Bug wird auch dieser Plan ausgeführt werden.



Bei diesem Kapitel möchten wir noch einmal ganz besonders
auf unseren Standpunkt zur Zensur hinweisen.

4. Die Verwaltung des jüdischen Grundbesitzes

Unter den vielen wirtschaftlichen Problemen, die im Distrikt Warschau im Vordergrund standen, war die Ausschaltung des Judentums aus der Wirtschaft von überragender Bedeutung; denn das Judentum hatte sich in Industrie, Handel und Gewerbe so breitgemacht, daß tatsächlich Tausende von Betrieben in jüdischen Händen waren.

Diese Betriebe sind in kürzester Zeit vom jüdischen Einfluß gereinigt worden. Was hier die deutsche Verwaltung geleistet hat, erkennen sogar einsichtsvolle Polen mit Dank an.

In ganz besonderer Weise aber hatte sich das Judentum einen umfangreichen Grundbesitz angeeignet.

Das alte polnische Sprichwort, daß "den Juden die Häuser und den Polen die Straßen gehörten", enthielt eine bittere Wahrheit. [171-174=Fotos] [175] Tatsächlich hatten es die Juden im Laufe der Jahrhunderte verstanden, auf Grund einer systematischen Siedlungspolitik Haus für Haus ihrer wirtschaftlichen Machtposition einzugliedern.

Die Siedlungsweise der Juden stand in enger Beziehung zu ihrer wirtschaftlichen Betätigung. Von Anfang an setzten sie sich immer im Stadtkern fest, um von dort aus in die benachbarten wirtschaftlich gleich wertvollen Bezirke vorzudringen. Dieses Bild bieten alle alten Handelsstädte des Ostens. In Warschau ist es der "Alte Markt", um den herum die Juden sich im Laufe der Jahrhunderte, ohne dazu gezwungen zu sein, einen eigenen Wohnbezirk, ihr Getto, schufen.

Es ist die Tragik dieses Raumes, daß mit der Zurückdrängung des deutschen Einflusses mit der Aufsaugung des deutschen Bürgertums in den Städten des Ostens das stetige Anwachsen der wirtschaftlichen Macht der Juden Hand in Hand ging. Deutsche Patrizierhäuser und Handelshöfe wurden zu Zentren der jüdischen Wirtschaftsmacht. Es ist daher nur ein Akt historischer Gerechtigkeit, wenn heute unter deutscher Herrschaft dem Juden das entrissen wird, was er sich nicht als Kämpfer und Kolonisator, sondern als Parasit angeeignet hat.

Übersicht über den jüdischen Grundbesitz 
in der Stadt Warschau
[174] Übersicht über den jüdischen Grundbesitz
in der Stadt Warschau.

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Das beigegebene Schaubild zeigt besser, als es dies Worte vermögen, in wie hohem Maße gerade in der Stadt Warschau die Juden es erreicht hatten, den wirtschaftlich wertvollen Grundbesitz an sich zu bringen. Im Stadtkern, in allen Geschäfts- und Hauptverkehrsstraßen überwog der Anteil des Juden bei weitem den Besitz der Arier. Es lag in der Linie der Brechung der wirtschaftlichen Macht der Juden, ihnen die gesamte Verfügungsgewalt über ihren Grundbesitz zu entziehen; denn nur auf diese Weise war eine den Belangen der Allgemeinheit Rechnung tragende Bewirtschaftung dieser großen Vermögensmassen gewährleistet.

Bestimmend für diese Maßnahme war in erster Linie das innere Verhältnis des Juden zu dem von ihm erworbenen Immobiliarbesitz. Die materielle und spekulative Einstellung des Juden hätte bei Belassung der Verfügungsgewalt notwendig zu dem Versuch geführt, von dieser Seite her den bisherigen Einfluß auf das Wirtschaftsleben zu behalten, ja sogar die erworbenen Mittel bewußt zur Sabotage deutscher Gesundungsmaßnahmen einzusetzen. Der Jude hatte sehr wohl erkannt, welche Macht er auf die breite Masse der Mieter, aber auch auf das von ihm beschäftigte Handwerk auszuüben vermochte. Die bestehende Raumnot war ihm ein willkom- [176] mener Anlaß zur wildesten Spekulation, ohne Arbeit und Mühe ließ sich der Ertrag unter Ausbeutung der Not anderer leicht steigern. Es kam ihm nicht so sehr auf eine Kapitalsanlage mit bescheidener, aber sicherer Rente als auf eine bewußte Auspowerung an, da eine sorgsame Pflege der Häuser ihm kaum bekannt war.

Die deutsche Verwaltung sah sich daher vor die Aufgabe gestellt, den gesamten jüdischen Grundbesitz in der Stadt und auf dem Land in eigene Verwaltung zu nehmen.

Für die Stadt Warschau bedeutete dies, eine Organisation aufzuziehen, die wertmäßig gesehen etwa 2/3 des städtischen Grundvermögens zu verwalten hatte. Von der Behörde selbst konnte diese Aufgabe mangels ausreichenden Personals nicht übernommen werden, sie mußte sich zu diesem Zwecke einen "verlängerten Arm" schaffen. Die rechtliche Grundlage hierzu gab die Beschlagnahmeordnung vom 24. 1. 1940.

Die Gesamtheit des jüdischen Immobiliarbesitzes wurde, soweit nicht aus besonderen Gründen Einzeltreuhänderschaften angeordnet wurden, einem Generaltreuhänder unterstellt. Als Verwaltungsapparat steht ihm die "Kommissarische Verwaltung sichergestellter Grundstücke" zur Verfügung, die als organisatorische Vorstufe für eine künftige Grundstücksverwaltungsgesellschaft gedacht ist.

Die Erfassung des jüdischen Immobiliarbesitzes wurde Anfang Juli 1940 systematisch in die Wege geleitet. Sie kann heute als abgeschlossen gelten. Während in der Stadt Warschau etwa 4 000 Grundstücke, darunter Objekte mit Hunderten von Mietparteien, erfaßt wurden, beträgt die Zahl der jüdischen Grundstücke in den Kreisen über 10 000. Rund 150 - 160 000 Mietparteien sind zu betreuen. Das sind Zahlen, wie sie nur selten vorkommen dürfen.

Zur Bewältigung dieser großen Verwaltungsaufgabe bedurfte es größter Hingabe im kleinen wie im großen. Das erste Jahr der Verwaltungstätigkeit, das vornehmlich organisatorischen Aufgaben gewidmet sein mußte, brachte gleichwohl eine Fülle besonderer Aufgaben, die sich aus dem Zustande der übernommenen Objekte notwendig ergaben und keinen Aufschub duldeten. Gerade in dieser doppelten Belastung lagen ganz erhebliche Schwierigkeiten, die zu meistern nicht ganz einfach waren.

Besonders zwei Probleme waren es, die hier im Vordergrunde standen.

Einmal mußten die erheblichen Kriegsschäden, soweit es irgend möglich war, beseitigt werden. Fast in der Stille hat sich hier ein [177] Teil des Wiederaufbaues der Stadt Warschau vollzogen, wobei durch die zentrale Leitung eine Gewähr für die Einhaltung der richtigen Reihenfolge je nach dem Grade der Dringlichkeit gegeben war. Mittel, die sonst in die Kanäle des Schleichhandels geflossen wären, wurden in recht erheblichem Umfange für den Wiederaufbau eingesetzt, wobei die Beleihung der Objekte, die aus eigener Kraft nicht die Mittel zur Wiederinstandsetzung aufbringen konnten, eine beachtliche Rolle spielte.

Der Besserung des äußeren Ansehens entsprach auch die mit aller Energie geförderte innere Gesundung vieler Objekte. Es war leider nicht so, daß sich ein großer Teil des übernommenen Grundvermögens in einer gesunden wirtschaftlichen Lage befand. Im Gegenteil waren die laufenden Verbindlichkeiten sehr stark vernachlässigt worden. Neben kostspieligen Instandsetzungen mußten also beträchtliche kurzfristige Verbindlichkeiten berichtigt werden, ohne daß es andererseits möglich war, den vollen Mietzins einzunehmen. Krieg und Vermögensverluste haben zahlreiche Mieter außerstand gesetzt, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Gleichwohl gelang es in der kurzen Zeit der deutschen Verwaltung, die Gesamtlage wesentlich zu bessern.

Eine Bewährungsprobe hat das neu geschaffene Verwaltungsgefüge bei den mit der Bildung des jüdischen Wohnbezirkes verbundenen großen Umsiedlungsmaßnahmen bestanden. Als Auffang- und Überleitungsorganisation gewährleistete es hier den Fortgang wiederkehrenden Leistungen an öffentliche und private Gläubiger und trug so dazu bei, die mit einer solchen Maßnahme verbundenen wirtschaftlichen Opfer auf ein tragbares Mindestmaß zu beschränken. Die Verwaltung des in den jüdischen Wohnbezirk gefallenen jüdischen Grundbesitzes vollzieht sich unter deutscher Oberaufsicht, die die Erhaltung dieser Vermögenswerte gewährleistet.

Der deutschen Grundstücksverwaltung kommt aber auch eine hohe erzieherische Bedeutung zu. Hunderte von Beauftragten und Hausverwaltern werden in ihrer Tätigkeit nach deutschen Grundsätzen ausgerichtet. Sauberkeit und Anständigkeit im Geschäftsverkehr werden ihnen ebenso anerzogen wie die richtige soziale Einstellung zu der breiten Schicht der Mieter. Es gibt keine Spekulation und keine Ausbeutung mehr. Über allem steht der Gedanke, daß der treuhänderisch verwaltete Grundbesitz wertvollstes Volksvermögen darstellt, das einer hingebenden Pflege bedarf.

[178] Die Aufträge an das Bauhandwerk geben Arbeit und Brot, sind aber abhängig von Leistung und Wohlanständigkeit im geschäftlichen Verkehr. Diese Erziehungsarbeit ist in vielen Fällen nicht ganz leicht, da es häufig Unsitten zu beseitigen gibt, die früher wegen ihrer allgemeinen Übung als Selbstverständlichkeit hingenommen wurden.

In der Erfüllung ihrer Aufgaben sieht die Grundstücksverwaltung keinen Selbstzweck. Vornehmstes Ziel bleibt stets, diesen Grundbesitz so zu verwalten, daß er in Anwendung nationalsozialistischer Wirtschaftsgrundsätze in den Stand gesetzt wird, seine sozialen und wirtschaftlichen Funktionen im Interesse der Allgemeinheit in vollem Umfange zu erfüllen.

In dieser Hinsicht ist durch die Ausschaltung des Judentums vom Grundstücksmarkt sehr viel segensreiche Arbeit geleistet worden.


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