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Erlebnisberichte von den Verschlepptenzügen, Teil 3
[159]
Iwno 97. Von polnischen Infanteristen erschossen

Unterschobene "Geheime Aufzeichnungen" im Notizbuch

Unter Eid bekundete der Zeuge Willi Bombitzki aus Grätz, Weinbergstr. 10, folgendes:

[...] Es kam dann polnische Infanterie vorbei, die uns fragte, wer wir seien, und auf die Auskunft, daß wir Volksdeutsche seien, schrien sie, wir seien Spione. Sie liefen dann zu dem sie führenden Offizier, der dann zu uns kam, uns den Befehl gab, uns mit dem Gesicht zur Wand aufzustellen, und erklärte, wir würden alle erschossen. Bei dieser Gelegenheit schlug der Offizier den Volksdeutschen Hirth aus Opalenitza mit der Faust wiederholt ins Gesicht, weil der Volksdeutsche sich nicht schnell genug umdrehte. Auf Befehl des Offiziers wurden neue Wachmannschaften beordert, die uns nach Iwno brachten. Dort erschien ein Polizeibeamter aus Richtung Gnesen und erklärte uns, daß wir frei seien und nach Hause gehen könnten. Er gab uns den Rat, nicht im geschlossenen Zuge, sondern in kleineren Gruppen den Rückmarsch anzutreten, weil wir dann nicht so leicht von dem Pöbel belästigt werden würden. Wir haben uns in kleinere Gruppen aufgeteilt und sind auf Nebenstraßen in Richtung Posen gegangen.

Nach etwa zweistündigem Aufenthalt im Straßengraben mit noch zwei weiteren Volksdeutschen wurden wir von einem Unteroffizier und zwei Mann der M.G.K. Nr. 57 Posen aufgegriffen und in das Dorf Iwno gebracht. Bei der Verhaftung durch die drei polnischen Soldaten mußten wir uns auf den Boden mit ausgebreiteten Händen legen, wo uns der Unteroffizier mit seinen Stiefeln dauernd auf den Kopf trat mit den Worten: "Küß die polnische Erde, du deutsches Schwein." Wir wurden dann von den drei Soldaten durch das Dorf geführt, wobei der Unteroffizier die Zivilbevölkerung aufforderte, uns zu schlagen, weil wir Spione wären. Die Bevölkerung leistete der Aufforderung in ausgiebigstem Maße Folge. In Iwno selbst fanden sich dann wieder kleine Gruppen von uns Volksdeutschen ein, die wir vorher zusammengewesen waren, die ebenfalls alle von den polnischen Infanteristen aufgegriffen waren. Insgesamt waren wir nun wieder etwa 25 Mann. Man führte uns über eine Wiese an ein Gebüsch, wo wir den Befehl erhielten niederzuknien. Nunmehr nahmen uns die Soldaten alles weg, was wir an Wertsachen bei uns hatten. Dabei fanden die Soldaten bei dem Volksdeutschen Oskar Rothe aus Konkolewo einen reichsdeutschen Paß. Rothe wurde darauf sofort von einem polnischen Infanteristen durch einen Pistolenschuß getötet.

Wir wurden dann wieder auf einen Gutshof zurückgeführt, wo wir wieder etwa 20 Volksdeutsche vorfanden. Auf dem Gutshof meldeten die Infanteristen einem Offizier, daß vier von uns mit einem Hemd den deutschen Fliegern Zeichen gegeben hätten. Ich habe nichts davon gesehen, daß etwas Derartiges geschehen ist, halte das auch für ganz ausgeschlossen. Die betreffenden Volksdeutschen wurden darauf auf Befehl des Offiziers hinter eine Mauer geführt und dort von Infanteristen mit dem Karabiner erschossen. Das letztere habe ich selbst nicht sehen können, ich hörte aber aus den Abschüssen, daß es sich nicht um Pistolenschüsse gehandelt hatte.

Es erschien nunmehr ein polnischer Oberleutnant einer Tankabteilung und forderte die anwesenden Zivilisten auf, nachzusehen, ob sie jemanden von uns kennen. Die Zivilisten machten einen von uns namhaft, und ein Unteroffizier behauptete von diesem Manne, daß er in [160] seinem Notizbuche geheime Aufzeichnungen habe. Dazu will ich bemerken, daß ich beobachtet habe, und zwar auf der vorhin erwähnten Wiese, daß der Unteroffizier selbst in das Notizbuch des Mannes eine Zeichnung gemacht hatte, als er sich unbeobachtet glaubte. Dieser Volksdeutsche wurde auf dem Gutshof von dem Oberleutnant selbst mit der Pistole von hinten durch einen Genickschuß getötet. Dann riefen die Zivilisten Wilhelm Busch aus Neutomischel heraus. Dieser wurde von dem Oberleutnant befragt, ob das wahr sei, was die Zivilisten behaupteten, daß er eine deutsche Zeitung gedruckt habe. Busch konnte nicht antworten, weil er nicht polnisch sprach, auch die Frage wohl auch nicht verstanden hatte. Der Oberleutnant ergriff sofort einen langen Gummiknüppel und schlug Busch mit diesem mit großer Wucht übers Gesicht. Dieses hat er dann noch etwa achtmal getan. Auf die nunmehr in deutscher Sprache wiederholte Frage des Oberleutnants, ob er eine deutsche Zeitung gedruckt habe, gab Busch das zu. Der Oberleutnant erklärte, daß er damit gegen den polnischen Staat gehandelt habe. Er stellte ihn mit dem Gesicht an die Wand und wurde von dem Oberleutnant selbst getötet, und zwar hat der Oberleutnant dreimal ins Genick bzw. in den Kopf geschossen.

Auch mein Name wurde nunmehr von den Grätzer Pfadfindern gerufen. Der Oberleutnant befahl den Pfadfindern, mich herauszusuchen; das unterblieb aber, da in diesem Augenblick drei neue Volksdeutsche von Infanteristen gebracht wurden. Diesem Zufall habe ich wohl mein Leben zu verdanken. Zu dem Oberleutnant trat nunmehr ein Zivilist, der dem Oberleutnant erklärte, der eine von den soeben gebrachten Volksdeutschen habe geheime Versammlungen abgehalten. Ohne irgendeine Befragung wurde auch dieser Mann, den ich mit Namen nicht kannte, der aber aus Iwno selbst oder aus der Nähe stammen mußte, von dem Oberleutnant selbst mit der Pistole erschossen. Der Rest von uns mußte sich in einer Reihe aufstellen, offenbar weil dem Oberleutnant infolge eines soeben erhaltenen Befehls die Zeit fehlte, sich weiter mit uns zu befassen. Wir mußten einzeln einen Lastwagen besteigen, und dabei erhielt jeder von uns von dem Oberleutnant einen wuchtigen Hieb mit dem Gummiknüppel. Der Lastwagen brachte uns dann nach Gnesen.

[...]

Quelle: WR II


 
Opalenica 98. Polnischer Oberleutnant als Massenmörder

Erlebnisbericht von Güterdirektor Paul Wiesner aus Wollstein

Posadowo, am 4. Oktober 1939.

Untersuchungsstelle für
Verletzungen des Völkerrechts
beim Oberkommando der Wehrmacht.

Gegenwärtig:
Kriegsgerichtsrat Hurtig,
Heeresjustizinspektor Pitsch.

Aufgesucht, erscheint der Güterdirektor Paul Wiesner, Güterverwalter der Begüterungen in Posadowo, und erklärt auf Befragen nach entsprechender Eidesbelehrung:

[161] Zur Person: Ich heiße Paul Wiesner, geboren am 14. November 1874 in Marsfelde, Kreis Neutomischel, Güterdirektor, wohnhaft in Wollstein, Bismarckstraße 1, z. Z. in Posadowo.

Zur Sache: Am 31. August 1939 wurde ich auf dem Bahnhof in Opalenica während meiner Reise nach Wollstein von der Polizei festgenommen. Ich vermute, daß meine Festnahme deshalb erfolgte, weil ich häufig in Deutschland, besonders in Schwiebus war, und man glaubte, daß ich für eine Nachrichtenstelle gegen Polen arbeitete. Nach eingehender Leibesvisitation und Durchsuchung meiner Koffer wurde ich zur Polizei gebracht. Zunächst erklärte man mir, wenn man nichts finde, werde man mich entlassen, und versuchte sogar einige Worte der Entschuldigung zu stammeln. Die Untersuchung ergab auch nichts Verdächtiges gegen mich. Der Polizeioberwachtmeister telefonierte jedoch inzwischen mit der Polizei in Wollstein, und dieses Gespräch hörte ich mit. Auf die Anfrage des Polizisten in Opalenica, ob gegen mich etwas vorliege, hörte ich aus der Muschel laut die Stimme des Polizeihauptmanns aus Wollstein, der rief: "Verhaften und einsperren." Darauf wurde ich in eine Zelle gesperrt, und bald nach mir wurde auch der praktische Tierarzt Dr. Krause aus Opalenica eingeliefert, den ich vom Bahnhof aus für einige Minuten aufgesucht hatte.

Posen In dieser Zelle verbrachte ich zwei Nächte und einen Tag und wurde dann mit Dr. Krause unter Polizeibedeckung nach Buk geschafft und dort zu einem Saal geführt, in welchem schon etwa 100 deutsche Volksgenossen interniert waren. Nach etwa vier Stunden wurden wir auf Kastenwagen und zwei Leiterwagen, zu je 12 Mann, unter Begleitung von zwei Polizisten und zwei Soldaten mit aufgepflanzter Seitenwaffe, die ganze Nacht hindurch bis nach Posen gefahren. Dort trafen wir am Sonntag, dem 3. September 1939, gegen 6.30 Uhr ein. Man fuhr uns durch die Stadt, und die polnischen Einwohner bewarfen uns mit Steinen, Ziegeln und Schmutz. Der Jähzorn ging so weit, daß die Schwersez Bewohner auf unsere Wagen sprangen und uns mit Knüppeln blutig schlugen. In einer Volksschule untergebracht, mußten wir zwei Tage und zwei Nächte ohne Nahrung auf dem Boden schlafen. Am Montag, dem 4. September 1939, ging es im Fußmarsch von Posen durch die Städte Schwersenz und Kostschyn. In letzter Stadt schlug der Mob wieder einige Volksgenossen blutig und entkleidete fünf in unserer Gruppe befindliche Frauen bis auf die Unterkleider. An den Kleidern dieser Frauen bereicherte sich die grölende, Kostschin bolschewistische Einwohnerschaft von Kostschin.

Hinter der Stadt sollten wir weitere Befehle abwarten, wohin unsere Gruppe sich zu wenden habe. Nach etwa zwei Stunden kam ein Polizeioberwachtmeister aus Gnesen, wandte sich an mich, weil ich am besten polnisch sprach, erklärte mir, daß wir alle entlassen seien und in kleinen Trupps von fünf bis zehn Mann uns "verkrümeln" sollten. Ich selbst blieb bei der letzten Gruppe, die etwa 20 Mann stark war, zurück. Nachdem auch diese sich in eine ein Kilometer breite Front zerstreut hatte, kamen Soldaten einer Radfahrkompanie, die auf dem Gute Iwno im Quartier lag, und begannen die umliegenden Felder, über die sich unsere Gruppe von etwa 100 bis 120 Personen zerstreut hatte, unter Gewehr- und MG.-Feuer zu nehmen. Zunächst blieben wir liegen, weil wir glaubten, infolge der Hochschüsse nicht getroffen werden zu können. Als sie jedoch in das Rübenfeld, in dem wir lagen, unmittelbar hineinhielten, sprangen wir auf und hoben die Hände hoch. Nunmehr trieben die Soldaten uns zusammen [162] und führten uns, etwa 30 zunächst, nach der Ziegelei. Dort fanden wir den Superintendenten Greisel aus Neutomischel mit gebrochenem Fuße liegen. Von der Ziegelei wurden wir nach dem Gutshof Iwno transportiert. Hier erhielten wir von einem polnischen Offizier den Befehl, in den Straßengraben zu geben und uns mit dem Gesicht zur Erde, die Hände vorne ausstreckend, auf die Grabenböschung zu legen. Ich erwartete nach Ausführung dieses Befehls durch uns die Feuereröffnung durch die polnischen Soldaten, denn auf der Straße standen etwa 200 polnische Soldaten mit Gewehren in der Hand.

Während ich gerade darüber nachdachte, erhielt ich von einer neben mir stehenden polnischen Frau mit einem großen Stein einen Schlag an die linke Kopfseite, so daß ich für einen Augenblick die Besinnung verlor. Als ich diese wiedergewann, fand ich mich in einer Blutlache liegend vor. Ich konnte noch sehen, wie meine Kameraden von den Soldaten ausgeplündert wurden, sowohl Geld als auch Uhren wurden ihnen weggenommen. Darauf wurde uns befohlen aufzustehen, und man führte uns zu zweien nach einem in der Nähe befindlichen Waldstück. Als Begleitung erhielten wir etwa 40 mit Gewehren bewaffnete Soldaten. Wir sollten dort alle erschossen werden. Ein junger polnischer Offizier führte die Begleitmannschaft. Auf dem Wege zu dem Wäldchen, das etwa 1½ Kilometer entfernt war, kam mir plötzlich in den Sinn, daß ich aus meiner Tätigkeit im Kreistag Posen von dem damaligen Starosten noch ein Anerkennungsschreiben, ebenso wie von dem Distriktskommissär, der sich diesem Anerkennungsschreiben ausführlicher angeschlossen hatte, – wenn auch nur Abschriften – in meiner Brieftasche hatte. Ich zog daher meine Brieftasche heraus, entnahm dieser beide Anerkennungsschreiben und steckte sie in einen Umschlag, um sie dem polnischen Offizier bei Gelegenheit zu übergeben. In diesem Augenblick sprang ein neben mir gehender polnischer Fähnrich hinzu und entriß mir den Umschlag, weil er offensichtlich glaubte, daß ich etwas verbergen wollte. Zu dieser Maßnahme bemerkte ich, daß mir das ja recht gewesen sei, denn es sei meine Absicht gewesen, beide Papiere dem polnischen Offizier zu übergeben.

Bis zu dem Wäldchen las sich der Fähnrich die Papiere durch und überreichte sie, an der Schonung angekommen, dem polnischen Leutnant. Beide gingen darauf hinter einen Erlenbusch und besprachen sich dort miteinander. Nach kurzer Zeit wurde ich herangeholt und von dem polnischen Offizier gefragt, wie ich zu diesen Bescheinigungen käme, dann sei ich doch Pole und ein anständiger Mensch. Um die Lage zu retten, bejahte ich die Frage. Er erklärte darauf weiterhin, ob ich verstehen könne, welche Maßnahmen er jetzt mit meinen übrigen Kameraden treffen wolle. Aus dem ganzen Gebaren, insbesondere auch mit Rücksicht auf die bereitliegenden Spaten, schloß ich, daß wir erschossen werden sollen. Daher antwortete ich: "Diese Männer sind genau so unschuldig wie ich, und wenn diese erschossen werden sollen, dann möchten Sie mich auch erschießen." Hierüber etwas unschlüssig geworden, insbesondere, weil ich auch seine Behauptung widerlegt hatte, daß wir Aufständische seien, glaubte ich die Lage nach und nach zu unseren Gunsten zu retten. In diesem Moment jedoch kam der Fähnrich nach einer bei den Kameraden vorgenommenen Leibesvisitation, die meine Kameraden kniend über sich ergehen lassen mußten, mit vier Mitgliedskarten der Jungdeutschen Partei hinzu, die er bei vier Kameraden gefunden hatte. Hierauf wurden wir wieder zum Gutshof zurückgeführt. Die vier Kameraden, [163] bei denen die Mitgliedskarten gefunden wurden, führte man am Schluß unserer Gruppe. Kurz vor dem Gutshof stellte man sie an die Parkmauer, mit dem Gesicht zur Mauer, und etwa 20 Soldaten streckten alle vier Kameraden aus einer Entfernung von drei bis vier Schritt durch eine Salve nieder. Uns führte man dann weiter auf den Gutshof. Dort angekommen, erschien auf einem Kraftrad der Kompanieführer der Radfahrerkompanie, ein Oberleutnant mit der Regimentsnummer 58. Dieses Regiment stand in Posen und lag in der Kaserne des ehemaligen 6. Grenadierregiments.

Kurz vorher hatte mich der junge Leutnant zur Feldküche geschickt, die auf dem Hofe stand, und meine übrigen Kameraden an die Mauer des Hofes führen lassen. Beim Eintreffen des Oberleutnants fragte dieser den Leutnant in aufgeblasenem Tone so laut, daß ich es hören konnte: "Na, wieviel habt ihr wieder von den Hitlerschweinen um die Ecke gebracht?" Der Leutnant erwiderte: "Vier liegen bereits hinter der Mauer, und die übrigen stehen zu Ihrer Verfügung." Auf mich zeigend, erläuterte er weiterhin, daß ich davon auszunehmen sei, und zeigte ihm meine beiden Anerkennungsschreiben. Darauf ließ mich der Oberleutnant heranrufen und fragte mich, was ich im Weltkriege für eine Charge bekleidet hätte. Als ich wahrheitsgemäß erwiderte, daß ich etatsmäßiger Wachtmeister gewesen sei, erklärte er, es sei in Ordnung, und ließ mich zur Seite treten. Nunmehr wandte er sich an die auf dem Hofe durcheinanderstehenden polnischen Soldaten – 300 bis 400 an der Zahl – und rief laut und anmaßend: "Na, wollt ihr noch mehr von diesem deutschen Hitlerschweinefleisch sehen?!" Darauf riefen alle Soldaten im Chor zurück: "Jawohl, sämtliche Schweine erschießen!" Darauf rief der Oberleutnant zwei Soldaten zu sich heran und ließ den Redakteur Busch aus Neutomischel herausgreifen. Auf die Frage, was er von Beruf sei, zeigte dieser ohne zu antworten, weil er nicht polnisch konnte, seinen Ausweis. Der mit Handgranaten, Browning und einem Ochsenziemer bewaffnete Oberleutnant schlug darauf mit den Worten: "Was, du deutsches Schwein bist Redakteur, hast das Volk aufgehetzt und in 20 Jahren noch nicht einmal Polnisch gelernt", etwa fünfzehnmal mit voller Wucht über den Kopf des Busch, so daß dieser aus Augen, Mund, Nase und Ohren blutete und blutüberströmt war. Durch zwei Soldaten ließ er den Busch darauf an die Hofmauer stellen, mit dem Gesicht zur Mauer, zog seinen Browning und feuerte auf Busch. Ich sah, wie Busch, in den Hinterkopf getroffen, zu Boden stürzte. Darauf gab er dem am Boden liegenden Busch noch zwei Gnadenschüsse, ebenfalls in den Kopf. Aufgebläht wandte er sich wieder zu seinen Soldaten und rief: "Wollt ihr noch mehr von dem deutschen Hitlerschweinefleisch?" Diese schrien darauf einstimmig: "Alle an die Wand!" Nunmehr zog der Oberleutnant wahllos zwei weitere Volksgenossen aus der Gruppe heraus und erschoß sie in gleicher Weise persönlich. Einen vierten ließ er sich von einem Gutskutscher benennen, dieses war der unglückliche Ansiedler Pohlmann aus Skalowo bei Kostschin. Diesen erschoß er ebenfalls persönlich.

Nach dieser Ermordung von vier volksdeutschen Kameraden hielt er eine Ansprache an die Soldaten und sagte etwa inhaltlich, mit diesen vier wollen wir es genug sein lassen, wir sind keine Bolschewisten, sondern eine polnische Armee und gedenken [164] unseres Obersten Kriegsherrn, des Marschalls Rydz-Smigly, und brachte auf diesen ein dreifaches Hoch aus, worauf die Soldaten grölend einstimmten und die polnische Nationalhymne sangen.

Gnesen Die vier Toten wurden von den übrigen Kameraden, die bisher als Zuschauer danebenstanden, auf Geheiß des Oberleutnants in ein bereits geschaufeltes Grab an der Mauer geworfen und zugeschüttet. Hiernach wurden wir alle, auch ich, auf ein Lastauto geladen. Beim Aufsteigen erhielt jeder von uns von dem polnischen Oberleutnant einen wuchtigen Ochsenziemerhieb. Nach Gnesen gefahren, wurden wir bei der dortigen polnischen Polizei abgeliefert. Nach zweitägigem Aufenthalt in einer Schule ging es im Warschau Fußmarsch unter Polizeibewachung in Richtung Warschau. Unser Endziel sollte ein Ort zwischen Warschau und Brest-Litowsk sein. Wir machten etwa 40 bis 50 km täglich und legten in 10 Tagen etwa 400 km ohne Verpflegung durch polnische Organe zurück. Was wir zu essen bekamen, hatten wir uns selbst verschafft. Zum Teil übernachteten wir in Scheunen, zum Teil unter freiem Himmel, auch bei Regenwetter. In der Hauptsache nährten wir uns von Kohlrüben. Unsere Begleitung bestand aus zwei aktiven Polizisten und sechs Ilow polnischen Reservisten, die als Hilfspolizei eingeteilt waren. Unter Beschimpfungen und Mißhandlungen erreichten wir schließlich am 16. und 17. September 1939 Ilow. Diese Stadt liegt nordostwärts Kutno–Warschau. Am 17. 9. 1939 verließen uns die Begleitmannschaften, nachdem wir einen ganzen Tag lang unter einem schweren Fliegerangriff in einer Scheune lagen. Diese Flugzeuge warfen nicht nur Bomben, sondern schossen auch mit MGs. Seit dem 17. 9. 1939, 22 Uhr, waren wir ohne jede Bewachung. Am 18. 9. 1939 brachen wir auf, nachdem ich meine Kameraden beschworen hatte, die Nacht in der Scheune liegenzubleiben. Aus dem nach Ilow schlagenden Artilleriefeuer, das bereits am Abend vorher einsetzte, schloß ich, daß die deutschen Truppen nicht mehr weit entfernt seien. Diese Vermutung trügte mich nicht, denn als wir am 18. 9. 1939 etwa 20 Minuten in westlicher Richtung im Gänsemarsch gegangen waren, begegneten uns die ersten deutschen Soldaten eines Artillerie-Regiments. Hiermit war unser Leidensweg beendet.

Als Zeugen benenne ich noch:

    Gutsbesitzer Jesske aus Paczkowo bei Kostschin,
    ferner seinen Sohn und seinen Schwiegersohn,

die übel zugerichtet auf den Gutshof von Iwno gebracht wurden, als wir bereits dort standen.

Bei ihm auf dem Gutshof, d. h. bei Jesske, lag ebenfalls ein polnischer Truppenteil, und er wird von deren Gebaren recht Interessantes erzählen können.

Laut diktiert, genehmigt und unterschrieben

gez. Paul Wiesner

Der Zeuge leistete folgenden Eid: Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß ich die reine Wahrheit gesagt und nichts verschwiegen habe, so wahr mir Gott helfe.

Geschlossen:
gez. Hurtig       gez. Pitsch
Quelle: WR II


[165]
Lodsch 99. Volksdeutsche Lehrer mit dem Schmiedehammer niedergeschlagen

Lodsch, den 23. Oktober 1939.

Oberkommando der Wehrmacht

Untersuchungsstelle
für Verletzungen des Völkerrechts
beim Oberkommando der Wehrmacht.

Gegenwärtig:
Kriegsgerichtsrat Zirner
als Untersuchungsführer,
Justizinspektor d. Lw. Grope
als Urkundsbeamter.

In der völkerrechtlichen Untersuchungssache Lodsch erschien auf Vorladung der nachbenannte Zeuge.

Er wurde mit dem Gegenstand der Untersuchung bekannt gemacht und über die Bedeutung des Eides sowie über die strafrechtlichen Folgen der Eidesverletzung belehrt.

Sodann wurde er vernommen.

Zur Person: Petrak, Wilhelm Karl, 30 Jahre alt, evangelisch, Volksdeutscher, verheiratet, ein Kind, Färbermeister, wohnhaft in Lodsch, Katnostraße 17, Wohnung 22, Plutonowy (Zugführer) in der früheren polnischen Armee.

Zur Sache: Am Sonntag, dem 3. September 1939, wurde ich in Lodsch als Soldat eingezogen. Als Lodsch in der Nacht vom 5. zum 6. vom Militär geräumt wurde, bin ich mit meinem Truppenteil, der überzähligen Abteilung des 4. schweren Glowno Artillerie-Regiments, aus Lodsch in nördlicher Richtung abgerückt. Am Mittwoch, dem 6. gegen 13 Uhr erreichten wir den nördlich von Wola Bledowa westlich Glowno gelegenen Wald.

Obwohl wir richtige Soldaten waren, waren wir nicht eingekleidet worden. Wir waren äußerlich also nicht von Zivilisten zu unterscheiden. Als wir am Waldrand lagerten, wurden uns von Zivilpersonen zwei Volksdeutsche, die Lehrer sein sollten, zugeführt. Die Zivilisten behaupteten, sie seien Spione und der Blonde der beiden Lehrer habe eine Karte mit Einzeichnungen bei sich gehabt.

Noch während wir lagerten, führte ein Oberleutnant der Reserve ein Verhör durch. Der Blonde von den beiden kniete auf einem Rollwagen. Die Hände waren ihm auf dem Rücken mit einer Kette, die auch um den Hals geschlungen war, zusammengebunden. Ich habe das Verhör aus einer Entfernung von höchstens 50 Meter beobachtet, konnte jedoch die einzelnen Worte nicht verstehen. Zwei Soldaten, die auf dem Rollwagen hinter den beiden Lehrern standen, schlugen anscheinend auf Befehl des vernehmenden Offiziers mit Gewehrkolben und einem Schmiedehammer auf beide ein. Beide haben ganz laut vor Schmerzen geschrien. Als wir dann weiterzogen, blieben beide Lehrer auf dem Rollwagen. Der blonde Lehrer mußte die ganze Zeit über knien, er war dazu gar nicht mehr imstande und lehnte sich gegen die etwa 30 cm hohe Wagenwand. Er war ganz in sich zusammengefallen, der Kopf hing ihm nach vorne. Der andere Lehrer, ein Schwarzhaariger, lag gefesselt auf dem Wagen. Bei einem Halt gegen 17 Uhr habe ich dann die beiden auf eine Entfernung von etwa 2 bis 3 Meter mir genau angesehen. Auch jetzt noch, obwohl die beiden schon vollkommen zerschlagen waren, schlugen die beiden Soldaten noch immer auf sie ein. Beide Lehrer waren ganz furchtbar zugerichtet. Der Kopf des blonden Lehrers war vollkommen blutunterlaufen, die Nase war ganz verschwollen und nach der Seite gedrückt, so daß ich annehme, daß das Nasenbein gebrochen war. Das Kinn war auch an der linken [166] Seite ganz blutunterlaufen, die Haut war aufgeplatzt. Anscheinend war der Unterkiefer gebrochen. Die linke Brustseite war vollkommen mit Blut verschmiert. Er war fast bewußtlos, wenn der eine Soldat ihn mit dem Schmiedehammer schlug, hat er nur noch gestöhnt. Der andere Lehrer war auch ganz zerschlagen. Ich habe die Lehrer dann nicht mehr gesehen. Soldaten meines Zuges haben mir später erzählt, daß die beiden erschossen werden sollten. Da sie jedoch weder gehen noch stehen konnten, habe man sie an einen Waldrand geschleift und dort mit den Bajonetten erstochen. Zivilpersonen sollen die beiden dann verscharrt haben. Das Grab ist hinter Bronislawowo an der Chaussee.

Die Lehrer waren bestimmt keine Spione. Wahrscheinlich waren sie auf der Flucht. Soldaten haben erzählt, sie hätten alles zugegeben. Das haben sie aber bestimmt nur getan, weil sie so furchtbar geschlagen wurden, denn zunächst haben sie sich ganz offen als volksdeutsche Lehrer ausgegeben. Der Oberleutnant, der das Verhör durchgeführt hat, war dazu gar nicht berechtigt. Er hätte die beiden Lehrer zum Regimentskommando, das höchstens 1 km entfernt war, bringen lassen müssen.

Chelm Ich erinnere mich auch noch eines anderen Vorfalles. Ende September, ich glaube, es war der 23., fanden wir zwischen Chelm und Rejowiec an einem Feldweg die Leichen von sechs deutschen Soldaten. Sie waren grausig zugerichtet. Der Mund war bei jedem einzelnen Soldaten ganz fest mit Tabak ausgestopft, so daß die Zähne ganz weit auseinanderstanden. Der Tabak war anscheinend mit einem Stück Holz hineingestopft worden. Wir haben den Tabak nur mit Mühe herausholen können. In die Nase waren den Soldaten, und zwar in jedes Nasenloch, Gewehrgeschosse mit Hülse hinein gestopft worden. Die Leichen waren auch vollständig beraubt. Ich habe kein Erkennungsmerkmal gefunden. Wir haben die Leichen dann beerdigt.

Ich nehme an, daß die Zivilbevölkerung die Soldaten, die anscheinend verwundet waren, umgebracht hat. Ich kann mir nicht denken, daß ein polnischer Soldat derartige Scheußlichkeiten begangen hat.

Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben,
gez. W. K. Petrak

Der Zeuge leistete den Zeugeneid.

gez. Zirner       gez. Grope
Quelle: WR IV


 
Schrimm 100. Polnischer Offizier läßt Volksdeutsche erschießen

Unter Eid bekundete der Zeuge Gerd von Delhaes-Günther aus Kreuzfelde, Kr. Schrimm, folgendes:

Ich bin Gerd von Delhaes-Günther, bin am 28. Februar 1907 in Bromberg geboren. Ich bin Landwirt in Kreuzfelde, Kreis Schrimm. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Ich war polnischer Staatsangehöriger, bin deutscher Volkszugehörigkeit, evangelischer Konfession.

Ein Trupp von 20 Volksdeutschen aus der Gegend von Schmiegel und Czempin wurde am Montag, dem 4. September 1939, über die Warthebrücke nach Schrimm getrieben. Die Deutschen wurden in das Gefängnis gebracht, wo sie das abziehende Militär zurückließ. Der provisorische Bürgermeister ließ sie frei, worauf sich die [167] Deutschen in einzelnen Trupps über die Warthebrücke zurückbegeben wollten. Dreizehn von ihnen wurden von dem letzten polnischen Sprengkommando unter Führung von podporucznik (Leutnant) Bejnerowicz und vermutlich auch von dem Unteroffizier Krol und vermutlich auch von podporucznik (Leutnant) Szakowski von den Pionieren (Truppenteil unbekannt) wieder verhaftet. Bejnerowicz verlangte von dem provisorischen Bürgermeister Dambrowski die weitere Verhaftung der Deutschen. Dambrowski will aber abgelehnt haben mit der Begründung, daß sie unschuldig seien. Von Dambrowski stammen auch die Akten, soweit mir bekannt ist, die mir zugänglich geworden sind. Bejnerowicz ließ nun die Deutschen, ohne auch ihren Namen zu kennen, erschießen. Soviel ich gehört habe, sind die Deutschen unter Duldung von Bejnerowicz von dem polnischen Pöbel so zugerichtet worden, wie die Leichen nachher gefunden worden sind. Ich selbst habe die Leichen nicht gesehen, mir ist nur erzählt worden, daß die Leichen verstümmelt gewesen sind. Von den 13 Leichen sind neun identifiziert worden. Alle gehörten nach Czempin. Es sind dies:

    1. Hermann Raabe, Piechanris,
    2. Herbert Raabe, Piechanris,
    3. Vater Steinke, Peterkowalz,
    4. Sohn Steinke, Peterkowalz,
    5. Paul Steinke, Peterkowalz,
    6. Manthei, Piechanris,
    7. Wilhelm Nier, Peterkowalz,
    8. Kint, Peterkowalz,
    9. Adam, Peterkowalz.
Über den Zustand der Leichen kann der Bezirksbürgermeister Hartmann aus Schrimm Auskunft geben.
Quelle: WR II


 
Schwersenz 101. Mit Ochsenziemer und Pistolen – Polnische Frauen wie die Furien

Erlebnisbericht des Landwirts und Viehhändlers Richard Glaesemann aus Schwersenz

Posen, den 18. November 1939.

Gegenwärtig:
Amtsgerichtsrat Bömmels
als Richter,
Justizangestellter Miehe
als Urkundsbeamter der Geschäftsstelle

In der Strafsache gegen Luczak wegen Freiheitsberaubung erscheint vorgeladen der Landwirt Richard Glaesemann und erklärt:

Zur Person: Ich heiße Richard Glaesemann, bin 51 Jahre alt, Landwirt und Viehhändler in Schwersenz, s. V.

Z. S.: Am 4. Sept. 1939 gegen 8.30 Uhr erschien vor meiner Wohnung in Schwersenz ein polnischer Unteroffizier in Begleitung des mir bekannten Maschinenschlossers Valentin Luczak aus Schwersenz, Ich sah, daß Luczak dem Unteroffizier meine Wohnung wies und ihm sichtlich Angaben über meine Person machte. Der Unter- [168] offizier verlangte von mir ein Pferd und erklärte mir gleich, ich sei spionageverdächtig, er müsse mich verhaften. Als ich schon zum Abführen bereit vor dem Hause stand, sah ich noch, daß Luczak und der Tischler Walczak aus Schwersenz auf den Unteroffizier einredeten, wobei sie auf mich deuteten. Der Unteroffizier führte mich dann ab, so wie ich war. Ich durfte nichts weiter mitnehmen. Der Unteroffizier führte mich zu dem Holzplatz von Liefke in Schwersenz und führte mich dort einem polnischen Offizier vor. Dieser stand mit geladenem Revolver vor mir, während der Unteroffizier meine Taschen entleerte. Der Offizier sagte zu mir: "Eigentlich sollten wir mit Ihnen nicht viel Wesens machen, sondern Sie gleich erschießen!" Weswegen ich aber verhaftet worden war, wurde mir nicht gesagt, und ich durfte auch keine Frage stellen. Das wurde mir strikt verboten; auch gab mir der Offizier nicht die Erlaubnis, einen Schluck Wasser zu trinken, obwohl es sehr heiß war.

Mein Pferd, das gleichzeitig vom Hof fortgeholt war, war dazu bestimmt, einen Wagen Hafer abzufahren. Der Offizier sagte zu dem Unteroffizier: "Lassen Sie ihn aufsteigen, und wenn Sie unterwegs eine Gruppe Internierter finden, schmeißen Sie ihn dort herunter."

Kurz vor Osthausen trafen wir eine Kolonne verhafteter Volksdeutscher, die dort im Straßengraben Rast machte. Der Unteroffizier übergab mich dem Wachtmeister, der die Wachmannschaft dieser Kolonne kommandierte, und überreichte diesem die mir abgenommenen Sachen. Bei der Kolonne traf ich den mir bekannten Güterdirektor Paul Wiesner aus Wollstein. Dieser erzählte mir das bisherige Schicksal seiner Kolonne. Es handelte sich um 121 Volksdeutsche aus Wollstein und Neutomischel, darunter vier Frauen. Die Kolonne war schon seit dem 31. August 1939 unterwegs. Wiesner erzählte mir auch, sie seien mit Kastenwagen bis Posen befördert und schon unterwegs von der polnischen Zivilbevölkerung geschlagen und beschimpft worden. In dem Stadtteil Jerzyc seien sie in einem Saale untergebracht worden. Dort habe man ihnen gleich eröffnet, sie würden alle erschossen.

Kostschin Die Kolonne wurde dann von dem Wachtmeister um Kostschin herumgeführt. Wiesner sagte mir noch, es sei ein Glück für uns, daß wir den Weg an der Bahn vorbei und nicht den durch die Stadt nähmen; denn in Kostschin seien, wie er gehört habe, andere Gruppen Volksdeutscher schon schwer mißhandelt worden. Als wir aber an Kostschin vorbei waren, noch ehe wir die Landstraße erreichten, kamen uns bei dem Gute Stromniany etwa 100 Personen nachgelaufen, Männer und Frauen. Die Frauen drangen in die Kolonnen ein. Sie rissen den vier Frauen, die bei uns waren, die Mäntel vom Leibe, ebenso die Strümpfe und Schuhe. Dazu schlugen sie auf die Frauen ein, daß es gräßlich war, das mitanzusehen. Wir durften es nicht wagen, einzugreifen, wir wären sonst totgeschlagen worden. Auch wurden wir von den Wachmannschaften in Schach gehalten.

Witkowo Die Frauen mußten tagelang barfuß mitlaufen; zwei von den Frauen haben sich allerdings am nächsten Tage in Witkowo Schuhe und Strümpfe besorgen können, die beiden anderen haben den Marsch der Kolonne bis zum 17. September 1939 barfuß mitgemacht. Die eine von diesen Frauen war nahezu 70 Jahre alt. Sie hatte derartige Verletzungen unter den Zehen, wo das rohe Fleisch zutage trat, daß sie etwa drei Tage vor unserer Befreiung in dem Dorfe Zechlin, zwischen Kutno und Lowitsch, zurück- [169] gelassen werden mußte. Ob die Frau nach Hause gekommen ist, weiß ich nicht. Die Frau hat mir übrigens erzählt, daß sie von dem Krankenlager ihres Mannes weg verhaftet worden sei; ihr Mann ist schon seit vier Jahren bettlägerig.

Als die Leute aus Kostschin dann von den Mißhandlungen abgelassen hatten, kamen wir an die Wegegabelung, wo sich die Straßen von Wreschen und Gnesen teilen. Dort mußten wir rasten, während der Führer der Wachmannschaft nach Gnesen fuhr, um weitere Weisungen zu holen. Nach etwa zwei Stunden kam ein anderer Wachtmeister von Gnesen und sagte, wir seien von jetzt ab entlassen und könnten uns in einzelnen Gruppen über die Felder verteilen, damit wir nicht wieder angehalten würden. Er gab uns auch unsere Sachen zurück.

Wir verteilten uns dann in einzelne Gruppen. Bei mir befand sich der Rendant Hinz der Spar- und Darlehnskasse Neutomischel. Wir gingen in ein Wäldchen südlich der Straße und wollten zunächst das Nachlassen des starken Kolonnenverkehrs abwarten. Wir mögen etwa zwei Stunden dort am Waldrand gesessen haben, als wir von einer Maschinengewehrkompanie bemerkt und umstellt wurden. Wir hatten unsere deutsch geschriebenen Notizen aus unseren Geschäftsnotizbüchern während der Rast zerrissen, damit wir nicht später bei einer nochmaligen Verhaftung wegen dieser Notizen Schwierigkeiten bekommen sollten. Die Soldaten nahmen diese einzelnen Papierschnitzel mit und wollten uns auf der Stelle erschießen, weil sie uns für Spione hielten. Ich erklärte Iwno ihnen aber auf polnisch, daß wir bereits verhaftet gewesen, dann aber freigelassen worden seien. Der Offizier der Kompanie ließ uns dann auf das Gut Iwno abführen, um dort die Sache zu untersuchen.

Vor dem Gute begegneten uns zwei Wagen. Die beiden Knechte sprangen ab und schlugen mit dem dicken Ende des Peitschenstiels fürchterlich auf uns beide ein, und zwar auf den Kopf. Wir hielten die Hände zur Abwehr hoch, und ich erhielt einen derartigen Schlag über die rechte Hand, daß diese wochenlang geschwollen war und ich den Zeigefinger noch heute nicht bewegen kann. Die beiden Posten, die uns bewachen sollten, wehrten den Knechten nicht, sondern sahen höhnisch lachend zu und führten uns erst auf das Gut, als die Knechte müde wurden und mit dem Schlagen nachließen.

Auf dem Gut standen im Hofe über 50 Volksdeutsche von unserer Kolonne, darunter auch die vier Frauen und mein Bekannter, Wiesner. Die meisten waren blutüberströmt. Wiesner hatte ein etwa 2-Mark-Stück großes Loch im Kopfe von einem Steinwurf. Wie er sagte, hatte seine Gruppe sich nördlich auf das Dorf Glinka hindurchgeschlagen. In der Nähe dieses Dorfes waren sie aus einer Entfernung von etwa einem Kilometer von einer Abteilung mit Maschinengewehren beschossen worden, so daß sie etwa eine Stunde lang auf einem Rübenfelde Deckung gesucht hatten, bis die Soldaten herankamen und sie von neuem festnahmen. Bei dieser Beschießung ist, so erzählte mir Wiesner, ein Pfarrer erschossen worden. Ich habe die Anzeige seines Todes noch kürzlich in der Zeitung gelesen, der Name ist mir aber wieder entfallen. Auch diese Gruppe ist bei dem Gute Iwno selbst, wie Wiesner sagte, durch Steinwürfe und Schläge mit Knüppeln in der schrecklichsten Weise mißhandelt worden, ohne daß die Wachmannschaft eingeschritten wäre. Daher rührten die schrecklichen Kopfverletzungen der einzelnen.

[170] Nachdem Wiesner dem Offizier bestätigt hatte, daß wir zu seiner Gruppe gehört hätten, wurden uns aufs neue die Taschen entleert. Dabei wurden mir meine goldene Uhr samt Kette und verschiedene Kleinigkeiten von einem Soldaten abgenommen.

Während die Durchsuchung noch vor sich ging, ließ ein Offizier vier Leute aus der Gruppe kurzerhand vor unseren Augen erschießen. Die Soldaten sagten, daß diese mit Taschentüchern den deutschen Fliegern Zeichen gegeben und jene dann Bomben abgeworfen hätten. Ich selbst habe von einem Flieger nichts bemerkt. Einer der Erschossenen trug das Abzeichen der Jungdeutschen Partei.

Bei der nun folgenden Vernehmung fragte mich derselbe Offizier, ob ich auch der Jungdeutschen Partei angehöre und ob ich polnisch spräche. Die Tatsache, daß ich als Geschäftsmann gut polnisch sprechen kann, hat mir meines Erachtens damals das Leben gerettet. Der Offizier ließ noch während dieser Vernehmung zwei Männer erschießen, die beide der Jungdeutschen Partei angehörten und von denen einer das Abzeichen trug.

Der Offizier wollte mich und Hinz, der ebenfalls polnisch spricht, entlassen. Da kam ein anderer Offizier auf einem Motorrad angefahren. Als er die Gruppe Volksdeutscher sah, sagte er mit einem entsetzlichen höhnischen Gelächter: "Da habt ihr ja genug Banditen da!"

Er sprang in die Kolonne hinein und fragte jeden einzelnen, ob er polnisch spreche. Wer nicht polnisch antworten konnte, den schlug er fürchterlich mit einem drahtdurchzogenen Ochsenziemer. Besonders fürchterlich schlug er auf einen etwa 72jährigen Redakteur aus Neutomischel ein. Er schlug ihn so oft ins Gesicht, daß dieses vollkommen blutüberströmt und sozusagen schwarz war. Der Mann hätte schon an diesen Schlägen meines Erachtens sterben müssen. Der Offizier drehte ihn dann um, stieß ihn ein paar Schritte abseits und schoß ihn mit seinem Revolver nieder.

Dann ließ er uns am Holzzaun in zwei Reihen antreten, gegenüber die Soldaten mit Gewehr. Er fragte die Soldaten, ob er das gut gemacht habe, und sie schrien: "Jawohl, Herr Leutnant, brav gemacht!"

Dann kam ein Knecht von dem Gut und sagte dem Offizier, ein gewisser Wartermann aus Kostschin (es war auch eine Gruppe Volksdeutscher von dort auf den Hof gebracht worden) habe ständige Geheimversammlungen in seinem Hause abgehalten. Wartermann, ein etwa 60jähriger Mann, wurde vorgerufen. Er verneinte die Frage, ob er solche Versammlungen abgehalten habe. Der Offizier sagte aber, das sei durch die Angaben des Knechtes erwiesen, so ein Kerl habe doch nicht mehr verdient als die Kugel, und er erschoß ihn mit seinem Revolver, nachdem er ihn einige Schritte abseits geführt hatte.

Dann rief er die Leute vom Hof an: "Ihr Zivilisten, gefällt euch einer hier von den Internierten, dann kommt ran, sucht ihn euch aus, er wird erschossen!" Von den Leuten kam aber niemand. Ebenso rief er die vorbeigehende Frau des Güterdirektors an: "Haben Sie hier einen, der Ihnen was getan hat oder den Sie wollen erschießen lassen, dann suchen Sie ihn sich aus, ich lasse ihn auf Ihren Wunsch erschießen." Die Frau sagte auf seine Frage, er habe es gut gemacht, daß er die Bande habe erschießen lassen; sie müßten eigentlich alle erschossen werden. Schließlich sagte der [171] Offizier, er werde uns jetzt den Gefallen tun und uns im Auto nach Gnesen fahren lassen. Es fuhr ein Güterwagen vor, die hintere Klappe wurde heruntergelassen und der Offizier verlangte von uns, daß wir mit einem Satz den Wagen erklettern sollten. Dabei schlug er jeden mit dem Ochsenziemer über den Kopf. Ich hob beim Aufsteigen die noch nicht verletzte linke Hand hoch und erhielt einen Schlag, daß der kleine Finger heute noch schwarz und der Nagel unterlaufen ist.

[...]

Auf der Fahrt nach Gnesen mußten wir ständig im Wagen knien und dabei den Kopf gesenkt halten, und zwar während der ganzen zweistündigen Dauer der Fahrt. Es war für uns alle, die wir verletzt waren, eine fürchterliche Qual, aber die Wachmannschaft teilte Kolbenstöße aus, wenn jemand nur den Kopf hob. Als der Wagen unterwegs einmal in einem Dorfe hielt, hinderte die Mannschaft auch nicht, daß die polnische Bevölkerung uns beschimpfte und mit Stöcken schlug.

Gnesen In Gnesen waren wir in einer Schule untergebracht, aber nicht etwa in den ausgeräumten Klassenzimmern, sondern auf den Bänken im Flur, auf denen wir nur infolge der entsetzlichen Übermüdung ein wenig geschlafen haben.

Irgendwelche Verpflegung haben wir an diesem Tage ebensowenig bekommen wie am folgenden, an dem wir nach Witkowo gebracht wurden; immer wieder in den Ortschaften bespien, mit Knüppeln geschlagen und mit Steinen beworfen, ohne daß die Wachmannschaft Witkowo eingeschritten wäre. Die Soldaten hatten dafür nur ein höhnisches Lachen. Unsere Bitte, uns von dem teilweise belassenen Geld etwas kaufen zu dürfen, wurde abgelehnt, sowohl unterwegs als auch in Witkowo, wo wir gegen 3,40 Uhr ankamen. Dort ließ man uns erst 1½ Stunden auf dem Marktplatz stehen, ehe man uns in der Synagoge unterbrachte. Auch hier kümmerte man sich nicht um uns, weder um unsere Verpflegung noch um unsere Verletzungen.

Lowitsch In den folgenden Tagen wurden wir dann im Fußmarsch über Slupca, Konin, Kolo, Kutno bis abseits von Lowitsch gebracht. Wir haben dabei keine Verpflegung erhalten, sondern nur von Mohrrüben und Wruken gelebt, die wir uns von den Feldern geholt haben. Wir erhielten nicht einmal genügend Wasser. Die Anpöbelungen und Mißhandlungen durch die Bevölkerung haben bis zum letzten Tage nicht nachgelassen; besonders gehässig waren die Flüchtlinge aus den geräumten Gebieten.

Am 16. September kamen wir schließlich in eine deutsche Kolonie, deren Name mir entfallen ist. Auch hier waren die Männer verhaftet und weggeschleppt. Die Einwohner sprachen nur deutsch. Hier haben wir zum erstenmal von den Leuten warmes Essen bekommen. Am 17. September wurden die polnischen Truppen, die ganz in der Nähe standen, furchtbar beschossen und mit Fliegerbomben beworfen. Das polnische Militär ging zurück und unsere Wachtmannschaft war plötzlich verschwunden. Wir haben uns dann noch bis zum Morgen in der Scheune, in der wir untergebracht waren, verhalten und sind dann auf die deutsche Front zugegangen.

Am 18. September um 10 Uhr vormittags trafen wir die ersten deutschen Soldaten. Die meisten von uns waren schon so erschöpft, daß sie kaum mehr gehen konnten.

Von dem Schicksal der anderen Leute aus Wollstein und Neutomischel, die sich nicht auf dem Gutshof von Iwno eingefunden hatten, ist mir nur das Schicksal von [172] einer Gruppe bekannt, die versucht hatte, sich in nordwestlicher Richtung von Kostschin durchzuschlagen. Etwa Mitte September sind zwischen Jankowo und Karlskrone die Leichen von neun ermordeten Volksdeutschen dieser Gruppe gefunden worden und später noch die Leichen dreier weiterer Ermordeter.

Diese Angaben kann ich mit meinem Eide erhärten.

v. g. u.
gez. Richard Glaesemann

Der Zeuge wurde darauf vorschriftsmäßig beeidigt.

gez. Bömmels       gez. Miehe
Quelle: Sd. Is. Posen 55/39


 
Klodawa 102. Die Morde in Klodawa

Erlebnisbericht des Bäckermeisters Otto Kaliske aus Rakwitz

Unter Eid bekundete Bäckermeister Kaliske am 4. Oktober 1939 folgendes:

Am 1. September 1939 gegen 9.30 Uhr früh wurde ich von etwa 20 bewaffneten Angehörigen der Narodowce und Strzelce festgenommen und zur Gendarmerie Rakwitz gebracht. Man sagte mir, daß ich interniert werde, und wurde zunächst im Gefängnis in eine Zelle gesperrt. Später kamen noch 13 Mann in meine Zelle; schließlich war das Gefängnis so voll, daß wir in den Gefängnishof geführt wurden. Aus Rakwitz waren wir etwa 40 Männer und zwei Frauen, darunter ein Invalide ohne Beine und ein zweiter Invalide mit einem Bein, sowie ein 15jähriges Mädchen und ein 1½ jähriges Kind. Aus dem deutschen Dorf Tarnowo kamen noch etwa 40 hinzu, so daß unsere Gruppe etwa 80 Personen stark war. Gegen 15 Uhr erfolgte unser Abtransport auf Leiterwagen in Richtung Posen. Männer waren teilweise barfuß und ohne Jacken, so wie sie eben vom Felde geholt Graetz wurden. Fünf Mann Begleitung wurden uns beigegeben. In Grätz auf dem Marktplatz machte man den ersten Halt, wobei wir beschimpft und mißhandelt wurden. Bei einem der nächsten Halte in Stenschewo wurden wir von der Bevölkerung schwer mit Knüppeln geschlagen. Als wir am Ende der Ortschaft nochmals hielten, wurden die Mißhandlungen besonders schlimm. Herr Neumann aus Rakwitz, der neben mir auf dem Wagen saß, erhielt einen derartig schweren Schlag mit der Wagenrunge auf den Kopf, daß er zehn Minuten später starb. Geblutet haben wir fast alle.

Fabianowo In Fabianowo, kurz vor Polen, ließ unser Führer gegen 23 Uhr an einer Feldwache halten. Dem Führer der Feldwache wurde erzählt, daß wir Aufständische seien. Nachdem wir während des Haltens bereits mißhandelt wurden, schoß die polnische Feldwache bei unserer Abfahrt wahllos auf unsere sechs Wagen. Durch dieses Schießen erhielt Druse aus Tarnowo einen Bauchschuß, schrie etwa eine halbe Stunde lang und starb dann. Auch Otto Werner erhielt einen Bauchschuß und starb daran am nächsten Tage. Der Sohn des Otto Werner trug zwei Beinschüsse davon, Lehrer Eppler einen Oberschenkel- und Hodenschuß und Landwirt Fischer einen Hüft- [173] durchschuß. Hoffmann aus Posen Rakwitz erhielt außerdem einen Stich mit dem Bajonett in den Oberschenkel. In Posen wurden wir in die Kaserne des früheren 6. Grenadierregiments gefahren. Später ging es mit den Leichen und Verwundeten auf den Wagen durch die Hauptstraßen Posens, schließlich hielten wir in dem Vorort Glowno, wo wir in einen Saal geführt wurden. Hier wurden die Verwundeten von einer Schwester verbunden und nach einem Posener Krankenhaus überführt. Die beiden Toten blieben in Glowno, im Wagen liegend, auf der Straße stehen. Nachdem die Posener Internierten zu uns stießen, darunter Schwersenz führende deutsche Persönlichkeiten aus Posen, ging es in einer Gruppe von etwa 150 bis 200 Mann zu Fuß in Richtung Schwersenz weiter. Sobald wir eine größere Ortschaft erreichten oder durchmarschierten, begannen die Mißhandlungen durch die Bevölkerung. Ständig hatten wir dabei Verletzte, die sich dann mühsam weiterschleppen mußten. In Babiak etwa mußten wir polnischen Truppen unser gesamtes Geld, unsere Uhren und sonstigen Wertgegenstände abliefern und wurden, von polnischem Militär eskortiert, nach einem Vorwerk bei Klodawa gebracht. Als wir von dort abmarschierten, konnten zwei Frauen und drei Männer nicht mehr weiter und blieben liegen; darunter befanden sich Herr von Treskow im Alter von 65 Jahren sowie Frl. Dr. Bochnik. Außerdem blieben bei diesen fünf zwei junge Männer zu deren Schutz zurück. Als wir ein kurzes Stück Wegs gegangen waren, hörten wir hinter uns Schüsse. Nach unserer Befreiung erhielten wir die Nachricht, daß alle sieben erschossen worden sind.

Babiak In einem Dorfe vor Babiak mußten wir die Familie Schmolke, es waren dies der Invalide ohne Bein, seine Frau, die 15jährige Tochter und sein 1½jähriges Kind, und einen Invaliden mit einem Bein zurücklassen, dieser hieß Jentsch. Von diesen hörten wir ebenfalls, daß sie dort erschossen worden sind. Nach diesen Leichen wird z. Zt. gesucht. Auch unser Pastor Schulz ist heute mit Kriminalpolizei dorthin gefahren, um zu suchen.

Kostschin Von Kostschin aus wurde unser Marsch schon reichlich planlos, wir merkten, daß wir immer näher an die Front kamen, bzw. daß die Front immer näher an uns heranrückte. Am 17. September 1939 wurden wir dann bei Zechlin von deutscher Infanterie befreit und über Kutno, Lodsch nach Sieradz gebracht, und von dort im Bahntransport nach Hause geschafft.

v. g. u.
gez. Otto Kaliske
Quelle: WR II


 
Rakwitz 103. Dem Pöbel zur Schau gestellt

Bericht von Ulrich Schiefelbein aus Rakwitz über den Verschlepptenzug nach Kutno

Am 1.9. 39 wurden in Rakwitz fast sämtliche Deutschen von polnischen Lümmels, die schwer bewaffnet waren, aus ihren Häusern geholt, um interniert zu werden. Der Weitertransport erfolgte am Nachmittag desselben Tages, Graetz und wir erreichten als erste Stadt Grätz, wo wir von polnischem Pöbel mit Steinwürfen empfangen wurden, denen dann auch bald Messerstiche folgten. Auf dem Markte angekommen, schlug man auf uns unter schmählichen Beschimpfungen, mit Bierflaschen und sonstigen Gegenständen ein. Wir waren dem Pöbel wehrlos ausgeliefert, man spie uns ins [174] Gesicht, ohne von unseren Begleitmannschaften irgendwie in Schutz genommen zu werden. Nachdem der Pöbel seine Wut an uns ausgelassen hatte, ging die Fahrt weiter nach Ptaszkowo, wo es uns ähnlich erging wie in Grätz. Man hätte uns ja durch die Dörfer und Städte ohne Pause durchfahren lassen können bis Posen, aber man tat es nicht, sondern hielt mit uns bewußt in allen größeren Ortschaften, um uns dem Pöbel, der da furchtbar wütete, auszuliefern. Unser Weg führte dann nach Steszew, wo wir den ersten Toten zu beklagen hatten. Der Volksdeutsche Konrad Neumann aus Rakwitz wurde mit einer Zaunlatte so lange geprügelt, bis er kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Dem Volksdeutschen Gustav Hoffmann aus Rakwitz wurden tiefe Schnittwunden und Stiche am Bein beigebracht. Die übrigen Volksdeutschen wurden durch Steinwürfe und Hiebe derart zugerichtet, daß, mit Ausnahme weniger, alle in Posen sanitäre Hilfe in Anspruch nehmen mußten.

Der Schreckensweg nahm seinen Fortgang. Wir kamen bis kurz vor Posen und wurden in der Nacht von einer polnischen Militärstreife, die unsere Begleitmannschaft zuvor auf uns aufmerksam machte, unter Feuer genommen. Nachdem unsere Leute auf dem ersten Wagen, durch polnisches Militär durch Kolbenschläge furchtbar zugerichtet, zu jammern und zu schreien anfingen und sagten, man möchte doch mit den Mißhandlungen endlich aufhören, da wir in Steszew schon einen Toten gehabt haben, fragte der Kommandeur der Patrouille, wo der denn sei. Er bekam als Antwort: Auf dem letzten Wagen! Er und einige Soldaten gingen dann zum letzten Wagen, besahen sich den Toten, und wir erhielten die Antwort: "Was, einen Toten habt ihr nur und noch so ein vollgefressenes Schwein?" Das polnische Militär erhielt dann den Befehl von dem Kommandeur, auf uns zu feuern. Die Folgen waren: ein Toter namens Gustav Druse aus Tarnow und vier Verletzte. Es sind dies: Otto Werner, der später seinen Verletzungen erlag, ferner sein Sohn und Lehrer Epler und ein gewisser Kernchen, sämtlich aus Tarnow. Dem Volksdeutschen Friedrich Moers wurden durch Kolbenschläge drei Rippen gebrochen.

Posen In derselben Nacht, vier Uhr morgens, landeten wir in Posen auf einem Kasernenhof. Dort wurden wir von zwei Gymnasiasten, die mit Karabinern bewaffnet waren, durch ganz Posen zur Schau gefahren, um die üblichen Prügel in Empfang zu nehmen und uns die üblichen Beschimpfungen anzuhören. Die Fahrt endete in einem Saal am nördlichen Ende der Stadt, in den uns zwei rohe Kerle unter Faustschlägen und Fußtritten trieben. Dort durften wir uns zum erstenmal auf Stühle setzen, und uns wurde von einer barmherzigen Schwester sanitäre Hilfe zuteil, und unsere Leute durften auch unter polizeilicher Bedeckung Einkäufe in der Stadt tätigen. Am Nachmittag gesellten sich dann die Posener Internierten zu uns, unter denen sich namhafte Persönlichkeiten, wie Ärzte, Rechtsanwälte und Direktoren, befanden. Gegen Schwersenz vier Uhr nachmittags wurden wir auf einen Sportplatz geführt, wo wir zum Gespött der Jugend die polnische Nationalhymne absingen mußten, dann folgten militärische Übungen, die erst dann aufhörten, als wir vor Erschöpfung nicht mehr weiterkonnten. Am Abend dieses Tages ging's dann noch zehn Kilometer weiter, nach Schwersenz, natürlich zu Fuß, wie von jetzt an überhaupt immer.......

Nach einem anstrengenden Tagesmarsch gelangten wir gegen Abend bis hinter Konin. Die Stadt Konin selber betraten wir nicht, weil im Augenblick unserer Ankunft [175] heftige Bombenabwürfe stattfanden. Nach Beendigung dieser baten wir die Begleitmannschaften, für uns aus der Stadt Nahrungsmittel mitzubringen; man nahm uns das Geld hierfür ab, wir sahen aber weder Nahrungsmittel noch Geld noch Begleitmannschaften wieder. Von hier an kümmerte sich um unsere Verpflegung niemand mehr. Wir waren dem Hunger preisgegeben, und es hing von der Gnade Vorübergehender ab, ob sie uns für Geld etwas verkauften oder nicht. Geschlafen wurde jetzt unter freiem Himmel, wodurch natürlich verschiedene Leidensgenossen erkrankten.... Wir erfuhren später durch einen unserer Leute, der dem Transport entkam, daß man sich von Zeit zu Zeit etwa fünf Mann heraussuchte, die sich auf dem Felde ihr eigenes Grab mit den Händen schaufeln mußten und dann erschossen wurden. Schwachgewordene wurden einfach mit dem Fuße beiseite gestoßen und dann erschossen. Wir haben viele dieser Erschossenen im Chausseegraben liegend vorgefunden.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch etwas Vergessenes einflechten. Als der in Steszew verwundete Volksdeutsche Otto Werner aus Tarnow um Wasser bat, sagte der uns eskortierende Molker Maraszek aus Rakwitz: "Gebt ihm doch Jauche zu saufen!" Herr von Treskow aus Owinsk wurde, als er bat, austreten zu dürfen, an dem Bart gepackt, Kutno herausgezogen und mit einem Fußtritt in den Chausseegraben befördert. Der Herr ist über 70 Jahre, man kümmerte sich nicht weiter um ihn. Wir waren inzwischen bis kurz vor Kutno gekommen und erfuhren durch Flüchtlinge, daß die Front bei Kutno läge, wir uns in einem Kessel befänden und das Gebiet hinter uns von polnischem Militär evakuiert sei. Darauf beschlossen wir den Rückmarsch und gelangten unter ungeheuren Entbehrungen schließlich auf einen Bauernhof, wo wir drei Tage lang für das Essen, das aus gekochten Kartoffeln mit Milch übergossen bestand, Kartoffeln ausmachten. Nach Ablauf dieser drei Tage wanderten wir wieder zurück bis Slesic und kamen hier in den Schutz des deutschen Militärs, das uns zusammen mit den anderen volksdeutschen Flüchtlingen nach Wreschen abtransportierte, wo dann die Volksdeutschen herausgesucht und in die Heimat geschickt wurden, die wir am 18. 9. 39 gegen Abend erreichten.

Der Bericht ist verfaßt von dem internierten Deutschen Ulrich Schiefelbein, Rakwitz, nach bestem Wissen und Gewissen. Der Wahrheitsbeweis hierfür wird durch nachstehende Unterschriften bekräftigt.

gez. Karl Gellert     Kurt Gutsche     Schiefelbein     Michael Lisznak
Edgar Arlt     Hans Gutsche

Quelle: WR (Ld. Schtz. Reg. 3/XI)




Die polnischen Greueltaten
an den Volksdeutschen in Polen.

Im Auftrage des Auswärtigen Amtes
auf Grund urkundlichen Beweismaterials zusammengestellt.
Bearbeitet von Hans Schadewaldt.