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Die letzen Tage
Sowohl der Gefängnispfarrer Faßbender wie Dr. Sengstock berichten, wie
Schlageters Verhalten nach dem endgültigen Todesurteil selbst dem Gegner zunehmende
Bewunderung abnötigt. In den kurzen Gesprächen, die ihm mit seinem Geistlichen
oder seinem Anwalt in der Zelle erlaubt sind, spricht er von seinem Elternhaus, seiner Heimat,
von den Kämpfen der Freikorps, aber so gut wie nie von sich selbst. Daher wußten
auch nur diejenigen von seinen Leistungen, die selbst als Augenzeugen dabeigewesen waren.
Wie ein Blitz trifft Pfarrer Faßbinder in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai die Nachricht,
daß Schlageter um 4 Uhr erschossen wird. Nur unter großen Schwierigkeiten
erkämpft der Geistliche seine Zulassung zu Schlageters Zelle. Nur Minuten sind ihm
für Beichte und Kommunion gewährt. Der französische Beamte, in dessen
Händen die Vorbereitungen zur Exekution
liegen, - ein Freimaurer - erklärt zynisch, eigentlich solle der Gefangene überhaupt
keinen geistlichen Beistand sehen und weiter, daß nach 300 Erschießungen eine
Hinrichtung für ihn nichts Neues sei und daß er ihr ruhig mit der Zigarette im Mund
beiwohnen könne.
Schlageter wird jäh aus ahnungslosem Schlaf gerissen. Die französischen Soldaten
umstehen sein Bett, blenden ihm ins Gesicht und erklären brüsk, daß er in
einer Stunde erschossen werde. Schlageter erbittet eine Minute für einen Abschiedsbrief
an
seine Lieben. Mit fester Hand, ohne das geringste Zittern, schreibt er seinen letzten Gruß
an
seine Eltern, seine Geschwister und seine Heimat. "Also dann auf ein frohes Wiedersehen im
Jenseits", schließt er die wenigen Zeilen. Keines von seinen Geschwistern bleibt
vergessen.
Selbst das Datum fehlt nicht. Er hat sich vollkommen in der Gewalt. Keine Erregung zeigt sich
in
seinen männlich-edlen Zügen, in denen sich Güte mit Bestimmtheit so
harmonisch paaren. Sein höfliches Benehmen steigert zunehmend die Hochachtung der
französischen Soldaten, die ihn jetzt ebenso höflich, fast kameradschaftlich
behandeln.
Auf dem Weg zur Golzheimer Heide, dem Ort der Hinrichtung, warten eine Kolonne
Automobile,
eine Schwadron Kavallerie und drei Infanteriekompanien. Anscheinend fürchten die
Franzosen auch jetzt noch, daß Schlageters Kameraden ihn in einer Verzweiflungstat
befreien könnten. Seine Begleiter, die deutschen Geistlichen und Anwälte, sind von
Schlageters bewunderungswürdiger Haltung zutiefst erschüttert. Seine letzten
Worte
an sie: "Grüßen Sie mir meine Eltern, Geschwister und Verwandten, meine Freunde
und mein Deutschland!" Dann geht er aufrecht und festen Schrittes auf den für die
Erschießung errichteten Pfahl zu.
Eine Gewehrsalve zerreißt die Stille der Morgendämmerung. Ein Herz, das sein
Land
und sein Volk mehr liebte als sein eigenes Leben, hat aufgehört zu
schlagen - ein starkes und mutiges Herz wie das des auf Befehl Napoleons erschossenen Tiroler
Freiheitskämpfers, der Schillschen Offiziere oder des Buchhändlers Palm!
Schlageter
war gerade 28 Jahre alt. Der das Exekutionskommando befehligende französische Offizier
senkt in Ehrfurcht seinen Degen vor der sterblichen Hülle des Mannes, der hunderte Male
sein Leben für Deutschland gewagt hatte und der als ein wahrer Held für sein Volk
gestorben war.
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Ich hatt' einen Kameraden
Der bei der Exekution anwesende französische Arzt erklärt Dr. Sengstock
gegenüber: "Manchen Menschen habe ich schon sterben gesehen. Aber so mutig und
gefaßt wie diesen tapferen preußischen Offizier noch keinen. Wenn ich einmal
auf ähnliche Weise den Tod erleiden müßte, so wünsche ich mir,
daß ich so mutig und heldenhaft ihm entgegensehen kann wie er." Und der
französische Staatsanwalt Dumoulin ebenfalls zu Dr. Sengstock: "Es ist
unmöglich, daß ein Mann so tapfer und heldenhaft stirbt, wenn nicht sein
Handeln, das ihn zum Tode geführt hat, von edelster, reinster und
uneigennütziger Vaterlandsliebe diktiert ist."
Dem toten Schlageter werden von einer Kugel durchbohrte Schriftstücke
entnommen. Darin finden sich u.a. die Worte: "Sei was du willst, aber was du bist, habe den
Mut, ganz zu sein!" Ein Ausspruch, nach dem Schlageter sein eigenes Leben gestaltete.
"Denn er gehörte zu denen, die ein hohes Ziel haben und ihm mutvoll zustreben." Von
einem im Baltikum in finnischer Sprache entdeckten Lied hatte er sich den
Schlußvers ins Gedächtnis eingegraben:
Die Flagge muß wehen, wenn der Mann auch
fällt!
Die am Morgen des 26. Mai durch die Presse gehende Nachricht von der Ermordung
Schlageters
wirkt im In- und Ausland wie ein Donnerschlag. Am Sonntag, dem Tag nach der
Erschießung, ist Schlageters Grab das Ziel einer ständig wachsenden
Menschenmenge. Die Heimfahrt nach Schönau wird zu einem wahren Triumphzug.
Wo der Zug hält, wird der mit der Reichskriegsflagge bedeckte Sarg Schlageters von
riesigen Menschenansammlungen mit Bergen von Kränzen begrüßt. In
Freiburg, der letzten Station, ist die Studentenschaft, an der Spitze Schlageters ehemalige
Verbindung, aufmarschiert. An seinem Grabe in Schönau erwarten ihn die
Kameraden des Feldartillerieregiments 76, wieder die Freiburger Korporationen und alle
Schichten des Volkes.
"Als die Fahnen sich über das offene Grab senken," schreibt Pfarrer
Faßbender, "da war es, als wenn der Tote als letzte Mahnung einem jedem
zugerufen habe:
SEID EINIG
WEIL DIE EINIGKEIT ALLEIN
DEM GEKNECHTFTEN VATERLAND
WIEDER AUFHELFEN KANN!
Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg wurde das von Professor Clemens Holzmeister
entworfene und am 23. Mai 1931 eingeweihte Schlageterdenkmal, das mit seinem aus
Kruppstahl gegossenen Kreuz weit über die Golzheimer Heide ragte, nicht auf
Befehl der Besatzungsmächte, sondern durch den Beschluß einer von der CDU
bis zur KPD reichenden Stadtabgeordnetenversammlung dem Erdboden gleichgemacht und
durch ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus ersetzt!
Auf dem Sarkophag hatten die Worte des Arbeiterdichters Heinrich Lersch gestanden:
DEUTSCHLAND MUSS LEBEN,
AUCH WENN WIR STERBEN MÜSSEN!
Damals waren 50.000 Menschen zu einer überwältigenden Feierstunde des
Gedenkens mit einer Ansprache des ehemaligen Reichskanzlers Cuno erschienen!
Auch Schlageters Denkmal in Schönau wurde im Juni 1985 von unbekannten
Tätern geschändet, Ausdruck einer seelischen Verkommenheit, die in keinem
anderen Land der Welt möglich wäre! Jedes Volk, das nicht charakterlich
zutiefst versumpft ist, würde sich an die Taten eines Schlageter mit Stolz und
Dankbarkeit erinnern.
"Das Denkmal wurde vernichtet," schreibt Wolfram Mallebrein, "aber der Geist
Schlageters, der Geist hingebungsvoller Aufopferung für das Vaterland wird in der
heranwachsenden Jugend weiterleben."
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Der Anruf
Und manchmal rufen sie mich von dem Male
und stehen heischend vor den Türen draußen;
und stehen heischend, mitten in dem Saale
ist eine Stille und ein Brausen.
Sie fragen streng, wie nie ein Mensch noch fragte,
erforschen auch den letzten meiner Pfade:
"Was keiner damals mehr zu hoffen wagte,
du kehrtest heim. Wie trägst du diese Gnade?
Du standest Jahre mit uns in der Reihe,
bist nicht geopfert und nicht hingegeben.
Antworte selbst: Bewahrtest du die Weihe?
Ja oder nein?" Sie fragen und entschweben.
Ja oder nein? Es glühen alte Narben.
Lebst du so groß und frei, wie jene starben?
Florian Seidl

Das Denkmal für Albert Leo Schlageter
in der Golzheimer Heide
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Albert Leo Schlageter
Ein deutscher Freiheitsheld
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