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Deutsche helfen Amerika bauen
- und Amerikas Dank?
Teil 1: Vorwort
weimal in diesem Jahrhundert, innerhalb eines Zeitraumes von nur 24
Jahren, fühlten sich die Herrscher Amerikas berufen, gegen den Willen ihres Volkes
wegen
einer angeblichen Bedrohung von Demokratie und Weltfrieden einen "Kreuzzug" in Europa zu
führen. Zweimal traten sie mit ihren unerschöpflichen Hilfsmitteln, ihre
Gründerideale verleugnend, an die Seite von Mächten, die in grausamen
Kolonialkriegen
die Welt unter sich aufgeteilt
hatten - gegen ein Land, das nach dem Ersten Weltkrieg über keinerlei Besitz
außerhalb
seiner eigenen Volksgrenzen verfügte und von dem sie nur Gutes erfahren hatten.
In entbehrungs- und verlustreichen Kämpfen hatten Deutsche einst dazu beigetragen, dem
jungen Amerika seine Unabhängigkeit von der englischen Krone zu erringen. Der
anschließende Aufbau des Landes aus primitiven Anfängen zu führender
Weltmachtstellung in Industrie und Handel ist ohne den Fleiß, die Tüchtigkeit und
die
hohen sittlichen Tugenden der deutschen Einwanderer undenkbar.
Doch die Deutschen waren als zahlenmäßig stärkste Volksgruppe der USA
nicht
nur führend beim materiellen Aufstieg Amerikas. In Lehre und Forschung waren Deutsche
tonangebend, und so weit man von amerikanischer Kultur und amerikanischem Geistesleben
sprechen
kann, war es die Bereicherung durch die Deutschen mit
ihrer natürlich-frohsinnigen Lebensart, vor allem aber ihrer einzigartigen Förderung
des
Musiklebens, die den öden Puritanismus des Angelsachsentums zum Wohle der Nation
überwinden half.
Die folgenden Ausführungen, auf den Berichten namhafter Auswanderer fußend,
sollen
einen Begriff von der Größe deutscher Errungenschaften in Amerika
geben - und gleichzeitig von dem Verrat, den eine machtgierige finanzielle und politische Clique
an
den Ehrlichsten, Loyalsten und Anständigsten ihrer Bürger und an deren Mutterland
verübt hat.
.
Teil 2: Eine neue Welt im Werden
chon mit der Namensgebung fing es an. Es ist üblich geworden,
dem
Seefahrer Amerigo Vespucci dafür die Ehre zu geben, obwohl dessen
Reisebeschreibungen
nur
Südamerika behandeln und er Nordamerika nie gesehen hat. Es war ein deutscher
Geograph
namens Waldseemüller, der im Jahr 1507 die erste Karte von der "Neuen Welt" unter dem
Namen AMERIKA herausbrachte. Im Laufe der Zeit gewöhnte man sich dann daran,
unter
"Amerika" lediglich Nordamerika und schließlich nur noch die USA zu verstehen.
Aber an der Entdeckung Amerikas waren die Deutschen jedenfalls nicht
beteiligt - oder doch? Abgesehen davon, daß Nordgermanen mit ihren Drachenschiffen
lange
vor Kolumbus in Grönland landeten, dort siedelten, weiter nach Neufundland fuhren und
als
erste Europäer die Neue Welt betraten, wäre dem berühmten Portugiesen nie
das
abenteuerliche Wagnis über den Atlantik gelungen, hätten ihm nicht von einem
Nürnberger Karten und Aufzeichnungen, vor allem aber Meßwerkzeug und guter
Rat
zur
Verfügung gestanden.
Die ersten Deutschen treffen etwa gleichzeitig mit den Engländern in der Neuen
Welt ein - aber nicht wie diese als Kolonisatoren! An der Erforschung und Erschließung
des
neuen Landes sind sie unabhängig voneinander beteiligt. 1614 erkundet Hendrik
Christiansen
aus Cleve den Hudson, und im
niederländischen Neu-Amsterdam finden sich Deutsche aus
dem mittel- und süddeutschen Raum. 1626 handelt Peter Menuit aus Wesel den Indianern
für 60 holländische Gulden das vom Hudson und East River umschlossene
Manhattan
ab, das später zu der Riesenmetropole New York anwachsen
soll - eine der bemerkenswertesten Investitionen der Weltgeschichte.
Deutsche sowohl wie Holländer, die ja auch einmal zum Reich gehörten, werden
von
angelsächsischen Einwanderern gemeinhin als "Dutch" bezeichnet. Ein Captain John
Smith
aus Jamestown in Virginien, der ältesten der englischen Kolonien in Nordamerika, fordert
1629
von London an, man solle ihm doch weitere "damn Dutch" herüberschicken, da die sich
vorzüglich zur Kolonisation eigneten, wie ihm eine Gruppe Glasschmelzer aus
Böhmen
bewiesen hatte. Wie heute die Schlepperbanden ihr Geld aus dem Asylantenstrom einstreichen,
so
waren gut verdienende Werbeagenturen in Europa schon damals tätig, oft mit denselben
fadenscheinigen Tricks, unzufriedene Bürger zur Auswanderung ins "Gelobte Land
Amerika"
zu überreden.
Weinbauern aus der Gegend um Heidelberg siedeln 1653 in Neu Niederland. 1669
stößt
Johann Lederer aus Hamburg in den Südteil der Alleghenies vor. Ihm folgen Schweizer
Taufgesinnte. 1676 wird Nikolaus de Meyer, ebenfalls aus Hamburg, Bürgermeister von
New
York. 1684 begründet eine von dem Theologen Peter Schlüter aus Wesel
geführte kalvinistisch-urchristliche Labadistensekte eine Siedlung am Bohemia in
Maryland,
die weitere deutsche Einwanderer nach sich zieht.
Forscht man danach, was die deutschen Auswanderer bewegte, ihre Heimat zu verlassen und
eine
scheinbar verlockende, aber auch gefährliche und ungewisse Zukunft zu suchen, so trifft
man
auf die verschiedensten Gründe. In den seltensten Fällen handelt es sich damals um
Abenteuerlust. Am häufigsten sind es religiöse Intoleranz, bürokratische
Schikanen,
hohe Zins- und Steuerlasten, zuweilen bittere wirtschaftliche Not und Verzweiflung. Daneben
geben
aufgezwungene Kriegsdienste
oder -kontributionen den Anstoß zu einem Entschluß, der zwar einigen wenigen das
große Los bescheren soll, viele jedoch vom Regen in die Traufe führt und für
viele
den Verlust von Gesundheit und Leben bedeutet.
Die deutsche Auswanderung nach Amerika wird noch verstärkt durch ein 1702 von Prof.
Daniel Falckner geschriebenes "Handbuch für Auswanderungswillige", das "jetzo
Teutschland"
in Grund und Boden verdammt und das, im Verein mit ähnlichen Schriften, eine wahre
Völkerwanderung über den Atlantik auslöst. Man scheut nicht vor den
wildesten
Versprechungen für die Amerikalustigen: "Wilde Tauben fliegen hier so niedrig,
daß
man sie mit dem Stock erschlagen kann, wilde Truthähne sind groß und fett, einige
bis
zu 46 Pfund. Die Indianer bringen oft sechs, sieben Rehe auf einmal..." Kein Wunder, daß
Menschen, die nur Hunger und Elend kannten, bei solchen Verheißungen auf die
Treibjagden
menschenfischender Agenten hereinfallen.
Die stärkste Auslichtung durch die Amerika-Auswanderung ins Gelobte Land
erfährt
der deutsche Südwesten, während Preußen und Österreich zu der Zeit
wohlweislich ein Auswanderungsverbot erlassen hatten. Es sind vorwiegend protestantische
Bauern,
die mit nicht viel mehr als ihrem Gottesglauben und ihrem Arbeitswillen in William Penns
"heiliges
Experiment, das Musterland der religiösen und persönlichen Freiheit"
drängen.
Den Engländern liegt in ihren neuen Kolonien nicht nur an verstärkter deutscher
Einwanderung als Gegengewicht gegen das französische Kanada, wofür sie sogar
"freie"
Überfahrt versprechen, sondern ebenfalls am Einsatz von deutschen
Neuankömmlingen
als "Grenzwächter gegen die Indianer". So erscheinen 30.000 Pfälzer in England
zum
Abtransport nach Übersee, Menschen, die so ärmlich sind, daß die
Engländer sie mit Hohn und Spott bedenken.
Die Bedingungen auf den Auswandererschiffen sind bei den sechs bis acht Wochen dauernden
Überfahrten mit den damaligen langsamen und unzuverlässigen Segelschiffen oft
noch
grausamer als in den Auswanderlagern. "Über 17.000 auswanderwillige Pfälzer
waren
(um 1710) in England oder auf See gestorben", berichtet
der Deutsch-Kanadier Bernd G. Längin in seinem äußerst lehrreichen
Büchlein "Aus Deutschen werden Amerikaner". Der 1750 in die Kolonien gereiste
Schulmeister Gottlieb Mittelberger schreibt: "Während der Seefahrt aber entstehet in den
Schiffen ein jammervolles Elend, Gestank, Dampf, Grauen, Erbrechen, Fieber, Ruhr, Kopfweh,
Hitze,
Verstopfung des Leibes, Geschwulsten, Scharbock, Krebs..." Nicht zu vergessen eine
ärmliche,
kaum genießbare Kost und dazu Mißhandlungen durch die Mannschaften auf den
überfüllten Schiffen! Zu der an den Küsten Amerikas angelandeten "Fracht"
schreibt Friedrich Kapp: "Wenn es Grabsteine und Kreuze auf dem Ozean geben würde,
wären die Routen der Auswandererschiffe schon lange ein übervölkerter
Friedhof."
Es ist eine irrige Annahme, daß das so viele Auswanderer erwartende Elend nur auf die
ersten
Einwanderwellen beschränkt war. Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts erwartet so
manchen
Einwanderer das Los der "white slaves", der weißen Sklaven. Nach Joachim Fernau
"landen
Kinder meist in den Webereien, nachdem sie grausam von ihren Eltern getrennt worden waren...
Wir
haben rührende Photographien, die die 10jährigen in den Maschinensälen
zeigen.
Es gab zwei Millionen Kinder, die in der Industrie arbeiteten." Die Dienstverpflichtung
mittelloser
Einwanderer, die ihre Überfahrt nicht selbst hatten bezahlen können, wird zu einer
Art
Leibeigenschaft auf Abzahlung. Bei der Ankunft in Philadelphia werden die armen Einwanderer
nicht
eher von Bord gelassen, bis sie von einem Käufer vom Schiff losgemacht sind. "Viele
Eltern
müssen ihre Kinder selbst verhandeln und verkaufen wie das Vieh."
Ab 1710 lassen sich deutsche und Schweizer Mennoniten und ebenfalls Pfälzer
Hugenotten
in Pennsylvanias Lancaster County nieder, denen später die aus einer Spaltung von
Schweizer
und südwestdeutschen Täufern hervorgegangenen Amisch folgen. Lancaster
County
wird durch diese Taufgesinnten, die trotz Ablehnung aller modernen Maschinen und
Geräte
als tüchtige und auch ehrliche Bauern gelten, mit ihren schwarzen Trachten und alten
Pferdedroschken bis auf den heutigen Tag eine der besonderen Touristenattraktionen der USA.
Auch
kulturell und sprachlich bleiben diese "Pennsylvania Dutch" mit am längsten eine Insel
des
Deutschtums inmitten des sie umgebenden amerikanischen Schmelztiegels.
1734 treffen neben Schlesiern und Sachsen Salzburger Protestanten ein, die als "Ketzer und
Rebellen"
aus ihrer Heimat vertrieben worden waren. Die Salzburger gehen in den amerikanischen
Süden
nach Georgia in "eine pure Wildnis" am Savannah. Wie zuvor schon aus Germantown westlich
des
heutigen Washington, geht auch von hier aus vom Pfarrer Boltzius ein scharfer Protest gegen die
Sklavenhaltung aus. Es sind also vornehmlich und zuallererst Deutsche, die gegen die Haltung
schwarzer Sklaven auf den großen Plantagen des Südens ihre Stimme
erheben - nicht immer zu ihrem Vorteil. Der Auswanderungsgrund dieser Menschen ist wieder
einmal
Unterdrückung durch ihre weltliche oder geistliche Obrigkeit, was den Volkswirt
Friedrich
List
zu dem Ausspruch verleitet: "Unsere Regierungen sind schuld, sie müssen weg!" Von den
deutschen Fürsten sagt er: "Deutschland ist ein Arrestlokal mit Arrestanten, die so lange
frei
herumgehen dürfen, als es der Willkür der Regierung paßt!"
Soweit sie in geschlossenen Gruppen in die Neue Welt ziehen, sind es Kirchen und Sekten, die
die
deutschen Auswanderer leiten und betreuen. Sie ersetzen zudem wenigstens teilweise den wegen
der
deutschen Kleinstaaterei fehlenden politischen Rückhalt und tragen zur Pflege deutscher
Sprache, Sitte und Kultur bei. Andererseits verhindern gerade diese diversen Sekten eine Einheit
unter
der deutschen Volksgruppe im Gegensatz zu den Kirchen der Angelsachsen,
die in patriotisch-britischer Haltung das Angelsachsentum fördern!
Ihre durch diese mangelnde Einheit bedingte Schwäche macht die Deutschen in den von
Angelsachsen dominierten Gegenden, wie z.B. deutsche Katholiken am Delaware,
anfällig
für gehässige Übergriffe. Andere werden abgelehnt, weil sie als pazifistisch
und
politisch desinteressiert gelten. Der sowohl als Erfinder wie auch als Staatsmann
berühmte
Benjamin Franklin spricht verächtlich von den "Pfälzer Bauernlümmeln" und
hält sie für anmaßend, wenn sie sich nicht "von uns anglisieren" lassen. Die
in
deutschen Landen wuchernde Michelmentalität bringt die Deutschen gegenüber
den
Angelsachsen nur allzu leicht ins Hintertreffen. Und die deutschen Geistlichen und Prediger, die
eigentlichen Führungskräfte der deutschen Auswanderer, sind "politisch neutral";
sie
stehen in der Regel der angelsächsischen Dominanz unkritisch oder hilflos
gegenüber.
Jener abwertenden Bemerkung Franklins steht die Aussage des Gouverneurs vom damals noch
französischen Louisiana über die deutschen Auswanderer vom Oberrhein entgegen,
die,
nachdem der größte Teil dieser Gruppe bei der Überfahrt verstorben war, am
rechten Mississippi-Ufer aus fieberverseuchtem Sumpfland eine "deutsche Küste"
geschaffen
haben: "Was wir hier deutsche Küste nennen, ist der fleißigste, der am meisten sich
vermehrende, der ehrlichste Teil unserer Bevölkerung." Deutscher Fleiß und
deutsche
Ehrlichkeit werden also gewürdigt, aber politischer Einfluß wird von den deutschen
Einwanderern weder gesucht noch, wäre es der Fall gewesen, ihnen leichthin
eingeräumt. Ein wesentlicher Grund besteht auch darin, daß bei den Deutschen "die
kleinen Leute", Bauern und Arbeiter, neben dem gelegentlichen "Revolutionär"
überwiegen, während die Engländer die reichen Großgrundbesitzer
und
die ebenso einflußreichen Geistlichen aus adligen oder anderen prominenten Kreisen
stellen.
Im Jahr 1733 trifft ein Johann Peter Rockefeller (auch Roggenfelder genannt) aus der Rheinpfalz
in
Amerika ein.
1740 läßt sich der Ahnherr von US-Präsident Herbert Hoover, ein Andreas
Huber,
in der deutschen Siedlung von Fredericksburg, Maryland, nieder.
Und im November 1741 findet sich ein Holzfäller namens Hans Nikolaus Eisenhauer in
Pennsylvania ein, ein Vorfahr Dwight D. Eisenhowers, der später einmal als
Oberbefehlshaber
der Alliierten Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg aus politischem Ehrgeiz seinen
Haß
an
seinen Stammverwandten auslassen
soll. - Österreichs Kaiser Joseph II. verbietet mittlerweile bei Androhung der Todesstrafe
den
Werbern ihre Tätigkeit.
 
Deutsche helfen Amerika bauen
...und Amerikas Dank?
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